
Der Pflegefall tritt oft unerwartet ein. Ein Unfall oder eine ernsthafte Krankheit können dazu führen, dass ein geliebter Mensch en Alltag plötzlich nicht mehr komplett selbstständig meistern kann. Der Vater bekommt z. B. einen Herzinfarkt – oder der Gesundheitszustand des Partners verschlechtert sich in Folge einer Operation. Beide benötigen akute Hilfe. Das kann schnell zu einer großen Herausforderung werden – erst recht, wenn sich herausstellt, dass man von der Kurzzeitpflege in die Langzeitpflege übergehen muss.
Was Du als Angehöriger in einer solchen Situation beachten solltest und wie Du die Langzeitpflege eines nahestehenden Menschen bestmöglich meistern kannst, verraten wir Dir im folgenden Leitfaden.
Der Unterschied zwischen Kurzzeitpflege und Langzeitpflege liegt hauptsächlich in der Dauer und dem Zweck der Betreuung:
Einen Anspruch auf Langzeitpflege haben in Deutschland in der Regel alle Personen, die pflegebedürftig sind. Ob und in welchem Maß eine Person pflegebedürftig ist, bescheinigt der medizinische Dienst (MD) durch die Ermittlung des Pflegegrads. Der Antrag auf Pflegeleistungen erfolgt durch die pflegebedürftige Person oder druch einen gesetzlichen Vertreter über die Pflegekasse. Anschließend werden dem Antragsteller der Pflegegrad und die damit verbundenen Leistungen durch die Pflegekasse schriftlich mitgeteilt.
Eine genaue Planung des weiteren Vorgehens ist wichtig, um spätere Herausforderungen oder Komplikationen zu vermeiden. Doch woher die Zeit dafür nehmen, wenn man berufstätig ist und sonstige Verpflichtungen hat? Bei einem akuten Pflegefall in der Familie darfst Du Dich von Deinem Arbeitgeber bis zu zehn Tage beurlauben lassen. Diese Zeit kannst Du für die anfängliche Akutpflege nutzen und bereits verschiedene Dinge organisieren, die für die Langzeitpflege notwendig sind:
Ermittle die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse des Pflegebedürftigen.
Was kostet eine Langzeitpflege? Finde es heraus, indem Du einen Budget-Plan erstellst, der Pflegekosten, Versicherungen und mögliche staatliche Unterstützung berücksichtigt. Suche dafür das Gespräch mit Pflegeberatern, Sozialarbeitern oder Pflegestützpunkten, da diese sich mit den Kosten gut auskennen. Prüfe außerdem, welche Pflegekosten steuerlich absetzbar sind. Dies kann den finanziellen Gesamtaufwand reduzieren.
Hole Dir rechtlichen Rat von einem Anwalt oder einem Experten für Pflege- und Sozialrecht, um rechtliche Fragen wie Patientenverfügung, das Testament oder Vollmachten zu klären. So gibt es z. B. eine Vorsorgevollmacht, die es Dir ermöglicht, im Namen der pflegebedürftigen Person rechtliche Angelegenheiten zu regeln.
Informiere Dich über verschiedene Pflegeheime, ambulante Pflegedienste und Pflegedienstleistungen. Berücksichtige dabei Bewertungsportale und Erfahrungsberichte im Internet. Krankenversicherungen und Pflegekassen sind ebenfalls gute Anlaufstellen, um an Informationen zu kommen.
Es gibt verschiedene Arten von Langzeitpflege, die sich in Bezug auf den Ort der Pflege und die Intensität bzw. Qualität der Betreuung unterscheiden:
Bei der häuslichen Langzeitpflege erfolgt die Pflege in der vertrauten Umgebung der pflegebedürftigen Person. Damit das gelingt, sind in der Regel Umbaumaßnahmen erforderlich, die der Barrierefreiheit dienen. Beispiele dafür sind die Montage von Rampen, Handläufen oder barrierefreien Badewannen. Auch kann die Anschaffung von Pflegehilfsmitteln wie Pflegebetten oder Elektrorollstühlen vorteilhaft sein. Professionelle Pflegekräfte können Dir bei der täglichen Pflege und medizinischen Betreuung helfen.
Bei der teilstationären Langzeitpflege erhältst Du professionelle Unterstützung einer Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung. Letztere sorgt z. B. dafür, dass die pflegebedürftige Person nachts betreut und versorgt wird, einschließlich Unterstützung bei der Körperpflege, Medikamentenvergabe sowie anderen erforderlichen pflegerischen Maßnahmen. Dadurch wirst Du als pflegender Angehöriger zumindest für einige Stunden entlastet. Gleichzeitig profitiert der Pflegebedürftige von sozialen Kontakten und strukturierten Aktivitäten.
Bei der stationären Langzeitpflege erhält die pflegebedürftige Person rund um die Uhr professionelle Betreuung. Dazu gehören beispielsweise eine umfassende medizinische Versorgung, therapeutische Angebote oder auch spezielle Pflege für Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie Demenz. Die Einrichtungen sind so gestaltet, dass sie eine sichere Umgebung für die Bewohner bieten sowie verschiedene Angebote der sozialen Interaktion. Für Menschen mit hohem Pflegebedarf kann die stationäre Langzeitpflege unter Umständen kosteneffizienter sein, da die umfassenden Leistungen oft von der Pflegeversicherung abgedeckt werden.
Bei der ambulanten Langzeitpflege erhält die pflegebedürftige Person ebenfalls rund um die Uhr professionelle Betreuung, jedoch in ihrer gewohnten Umgebung. Pflegekräfte besuchen sie regelmäßig, um notwendige Pflege- und Betreuungsleistungen zu erbringen.
In Deutschland ist es grundsätzlich so, dass die Pflegeversicherung einen Teil der Langzeitpflege-Kosten abdeckt. Um herauszufinden, welche Kosten übernommen werden, gilt es zunächst den Pflegegrad der pflegebedürftigen Person in Erfahrung zu bringen. Kontaktiere dafür ihre Pflegeversicherung und stelle dort einen Antrag auf Einstufung des Pflegegrads. Je nach Pflegegrad, gewährt die Pflegeversicherung unterschiedliche finanzielle Leistungen:
Eine Direktzahlung an pflegebedürftige Personen oder deren pflegende Angehörige, wenn die Pflege privat organisiert wird.
Eine finanzielle Unterstützung für professionelle Pflegedienste, die häusliche Pflege erbringen.
Eine Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen.
Zuschüsse für Pflegehilfsmittel (z. B. Betten oder Rollstühle) und Anpassungen in der Wohnung zur Erleichterung der Pflege. Wie Du Deinen E-Rollstuhl von der Krankenkasse bezuschussen lassen kannst, erfährst Du hier.
Bei allen Bemühungen, Deiner nahestehenden Person eine möglichst langfristige und zuverlässige Versorgung zu bieten, solltest Du eines nicht vernachlässigen: deine eigene Gesundheit. Denn umso mehr Zeit und Kraft Du in die Pflege investierst, desto höher ist die Gefahr, eigene gesundheitliche Schäden davonzutragen. Achte daher stets darauf, ausreichend Pausen oder Erholungsphasen einzulegen – und nimm bei Bedarf Unterstützung in Anspruch. Wichtige Anlaufstellen für pflegende Angehörige sind z. B. Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen wie der nächstgelegene Pflegestützpunkt. Auch können Dir Organisationen wie der Deutsche Pflegeverband oder der Sozialverband VdK Hilfestellung geben.
Die Langzeitpflege kann entscheidend zur Erhaltung der Würde und Lebensqualität einer pflegebedürftigen Person beitragen. Um eine möglichst langfristige und zuverlässige Versorgung sicherzustellen, solltest Du zunächst die konkreten Anforderungen an die Pflege (u. a. Pflegegrad) definieren, die Langzeitpflege-Kosten hochrechnen sowie rechtliche Fragen klären. Dies hilft bei der Entscheidung, ob professionelle Unterstützung (z. B. eines Pflegedienstes) erforderlich ist.
Scheue Dich nicht, Unterstützung anzufordern. Solltest Du im familiären Umkreis keine erhalten, können Pflegestützpunkte, Pflegekassen, Pflegeberatungsstellen und Pflegevereine unterstützende Ansprechpartner sein.
