Plegie: Symptome, Behandlung und Leben mit einer Lähmung

Das Bild zeigt von hinten einen Mann im Rollstuhl mit einer Kopfstütze, neben ihm steht eine Frau und beide schauen in die gleiche Richtung von einer Empore auf eine Stadt.

Bei einer Plegie sind einzelne oder mehrere Körperregionen gelähmt, was für die Betroffenen nicht nur eine Bewegungseinschränkung, sondern einen erheblichen Verlust der Mobilität bedeutet. Auslöser für eine Plegie können zum Beispiel ein Unfall, Schlaganfall oder neurologische Erkrankungen sein. Mithilfe von Rehabilitationsmaßnahmen und Hilfsmitteln können viele Betroffene dennoch einen Teil ihrer Selbstständigkeit zurückerlangen.

Das Wichtigste in Kürze
• Eine Plegie bezeichnet eine vollständige Lähmung eines oder mehrerer Körperteile, die durch Schädigungen des Gehirns, Rückenmarks oder der Nerven entsteht.
• Neben der Bewegungsunfähigkeit können bei einer Plegie auch Sensibilitätsstörungen, Blasen- und Darmfunktionsstörungen, chronische Schmerzen sowie Atem- und Kreislaufprobleme auftreten.
• Durch eine frühzeitige Diagnose, gezielte Therapie, Rehabilitation und Hilfsmittel können viele Betroffene ihre Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag deutlich verbessern.

Was ist eine Plegie?

Als Plegie bezeichnet man den Funktionsausfall eines Muskels, einer Muskelgruppe oder eines ganzen Körperabschnitts – also eine Lähmung. Dabei ist die Lähmung selbst nicht die Erkrankung, sondern ein Symptom, das durch die Schädigung von Gehirn, Rückenmark oder Nerven entsteht.1

Sind Plegie und Parese die gleiche Krankheit?

Bei einer Lähmung unterscheidet man zwischen einer Parese und Plegie. Der zentrale Unterschied liegt in der Ausprägung der Lähmung.

Die Parese bezeichnet einen Teilausfall der motorischen Funktion eines Muskels, einer bestimmten Muskelgruppe, Extremität (Beine, Arme) oder auch der muskulären Hohlorgane (Darm und Magen). Hierbei handelt es sich also um eine teilweise Lähmung.

Bei der Plegie handelt es sich um eine vollständige spastische oder schlaffe Lähmung, die Auswirkung ist abhängig vom betroffenen Bereich des Nervensystems. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass der Körper der betroffenen Person vollständig gelähmt ist. "Vollständig" beschreibt in diesem Fall lediglich, dass die betroffenen Muskeln gänzlich gelähmt sind und keine Restfunktion erhalten ist.

MerkmalParesePlegie
Muskelkraftvermindertvollständig ausgefallen
Bewegung möglicheingeschränktnicht möglich
Schweregradteilweise Lähmungvollständige Lähmung
Prognosehäufig verbesserbarabhängig von Ursache und Schädigungsgrad
Gut zu wissen:
An dieser Stelle ist eine weitere Begriffsunterscheidung sinnvoll. Denn nicht selten werden die Begrifflichkeiten „Plegie" und „Querschnittslähmung" identisch genutzt. Dies ist fachlich nicht korrekt. Eine Plegie beschreibt eine vollständige Lähmung, also das Ausmaß dieser. 

Eine Querschnittslähmung hingegen entsteht durch eine Schädigung des Rückenmarks. Sie kann unterschiedliche Formen annehmen: Liegt die Schädigung im Bereich der Halswirbelsäule, kann eine Tetraplegie mit Lähmungen von Armen und Beinen entstehen. Bei einer Schädigung unterhalb der Halswirbelsäule kommt es häufig zu einer Paraplegie, bei der hauptsächlich die Beine betroffen sind. 

Die Querschnittslähmung ist eine mögliche Ursache bzw. ein Krankheitsbild, während die Plegie die daraus resultierende vollständige Lähmung beschreibt. Deshalb kann eine Querschnittslähmung zu einer Para- oder Tetraplegie führen, aber nicht jede Plegie ist automatisch eine Querschnittslähmung.

Welche Arten der Plegie gibt es?

Eine Plegie, also eine vollständige Lähmung einzelner oder mehrerer Muskeln, wird in unterschiedliche Arten unterteilt. Diese Arten der Plegie unterscheiden sich in der Körperregion, in welcher die Lähmung auftritt.

Tetraplegie

Bei einer Tetraplegie sind die Arme und Beine betroffen. Die Ursache für diese Form der Lähmung liegt häufig in einer Verletzung oder Erkrankung des Halsmarks (Querschnittslähmung). Zusätzlich zur Muskellähmung können auch Rumpfstabilität, Handfunktion, Atmung oder Schluckfunktion eingeschränkt sein.

Monoplegie

Eine Monoplegie betrifft eine einzelne Extremität. Dann ist zum Beispiel ein Arm oder ein Bein gelähmt.

Hemiplegie

Die Hemiplegie bezeichnet die Lähmung einer Körperhälfte. Zusätzlich zu Beinen und Armen sind häufig auch die Gesichtsmuskeln betroffen.

Paraplegie

Bei einer Paraplegie sind beide Beine betroffen, während die Arme in der Regel weiterhin ihre Funktion behalten. Eine Paraplegie tritt häufig durch eine Schädigung des Rückenmarks unterhalb der Halswirbelsäule (Querschnittslähmung) auf.

Diplegie

Eine Diplegie bezeichnet eine beidseitige Lähmung von zwei symmetrischen Körperteilen bzw. Muskelgruppen. Bei den Betroffenen sind dann zum Beispiel beide Gesichtshälften, beide Arme oder beide Beine gelähmt.

Spastische oder schlaffe Lähmung?

Eine Lähmung wird nicht nur nach den betroffenen Körperregionen gegliedert. Zusätzlich wird zwischen einer spastischen und schlaffen Lähmung unterschieden.

Leiden Betroffene unter einer spastischen Lähmung, besteht eine dauerhaft erhöhte Muskelspannung. Dabei werden zum Beispiel die Muskeln steif, Verkrampfungen entstehen, der Körper macht unwillkürliche Bewegungen und die Beweglichkeit ist eingeschränkt.

Bei einer schlaffen Lähmung tritt genau das Gegenteil ein: Die Muskelspannung ist stark beeinträchtigt oder gar nicht mehr vorhanden. Symptome sind zum Beispiel fehlende Reflexe, Bewegungsunfähigkeit, sichtbarer Muskelschwund und instabile Gelenke sowie Gliedmaßen.

Welche Symptome treten bei einer Plegie auf?

Bei einer Plegie tritt nicht ausschließlich die Bewegungsunfähigkeit auf. Abhängig davon, welche Nervenbahnen geschädigt wurden und auf welcher Höhe die Schädigung liegt, können auch zahlreiche weitere Körperfunktionen betroffen sein. Neben der Muskulatur können auch Empfindungen, die Blasen- und Darmfunktion, die Sexualfunktion, die Atmung oder das Herz-Kreislauf-System eingeschränkt sein.

Welche Beschwerden auftreten, hängt vor allem von folgenden Faktoren ab:

  • Ursache der Nervenschädigung
  • Ort der Schädigung
  • Ausmaß der Lähmung

Vollständiger Verlust der Bewegungsfähigkeit

Das Hauptsymptom einer Plegie ist der vollständige Verlust der willkürlichen Bewegung in den betroffenen Körperregionen. Die Muskulatur kann dabei nicht mehr gezielt angesteuert werden, weil die Informationsübertragung zwischen Gehirn und Muskeln gestört oder komplett unterbrochen ist.

Im Alltag kann dies unterschiedliche Auswirkungen haben, unter anderem:

  • Unsicherheit beim Gehen
  • Verlust der Gehfähigkeit
  • fehlende Greiffunktion
  • eingeschränkte Feinmotorik
  • Schwierigkeiten, vom Bett in den Rollstuhl zu gelangen
  • Schwierigkeiten bei Körperpflege und beim Anziehen

Je höher die Schädigung im Nervensystem liegt, desto größer sind in der Regel die Bewegungseinschränkungen.

Sensibilitätsstörungen

Viele Menschen mit einer Plegie leiden nicht nur unter Lähmungserscheinungen, sondern auch unter Sensibilitätsstörungen. Häufig sind dieselben Nervenbahnen betroffen, die sowohl Bewegungsinformationen als auch Sinnesreize weiterleiten.

Typische Beschwerden sind:

  • Taubheitsgefühle
  • Kribbeln
  • vermindertes Berührungsempfinden
  • eingeschränkte Temperaturwahrnehmung
  • vermindertes Schmerzempfinden

Die Sensibilitätsstörungen können zur Folge haben, dass kleine Verletzungen nicht bemerkt werden. Druckstellen, Verbrennungen oder Reizungen der Haut werden von den Betroffenen dann nicht wahrgenommen, sodass dadurch größere Komplikationen entstehen können. Deshalb spielt die regelmäßige Hautkontrolle insbesondere bei Menschen mit Querschnittlähmung eine wichtige Rolle.

Blasen- und Darmfunktionsstörungen

Viele Menschen mit einer Plegie sind zusätzlich von neurogenen Blasen- oder Darmfunktionsstörungen betroffen. Dies passiert, wenn die Nervennetze im Rückenmark, die für die Steuerung dieser Funktionen verantwortlich sind, geschädigt werden.

Mögliche Folgen sind:

  • Harninkontinenz
  • Probleme beim Entleeren der Blase
  • wiederkehrende Harnwegsinfektionen
  • Verstopfung
  • Verlust der Darmkontrolle

Diese Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinflussen und erfordern häufig eine spezialisierte Versorgung.

Chronische Schmerzen

Auch wenn bestimmte Körperbereiche nicht mehr bewegt werden können, bedeutet das nicht automatisch, dass Betroffene in diesen Bereichen keine Schmerzen haben. Viele Betroffene leiden unter neuropathischen Schmerzen, die direkt durch die Nervenschädigung entstehen. Dabei entstehen zum Beispiel brennende, stechende, kribbelnde oder elektrisierende Schmerzen.

Zusätzlich können Fehlhaltungen oder Überlastungen weitere Beschwerden verursachen. Chronische Schmerzen gehören daher zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Plegie.

Atem- und Kreislaufprobleme

Besonders bei einer hohen Rückenmarksschädigung im Bereich der Halswirbelsäule, in Folge dessen eine Tetraplegie auftritt, können lebenswichtige Funktionen betroffen sein. Dazu zählen vor allem die Atemmuskulatur sowie die Regulation von Blutdruck und Herzfrequenz.

Mögliche Symptome sind:

  • Atemnot
  • eingeschränkte Hustenfunktion
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Blutdruckschwankungen
  • Kreislaufprobleme
  • autonome Dysreflexie
Gut zu wissen:
Eine autonome Dysreflexie ist eine lebensbedrohliche Überreaktion des vegetativen Nervensystems. Dabei reagiert der Körper mit einer Gefäßverengung und einem Blutdruckanstieg. Dies kann zu starken Kopfschmerzen, verlangsamtem Puls, Engegefühl in der Brust und starkem Schwitzen führen. In diesem Falle ist sofort der Notruf abzusetzen, da es sich um einen akuten Notfall handelt.

Symptome der spastischen Lähmung

Bei einer spastischen Lähmung ist, wie oben bereits erwähnt, der Muskeltonus dauerhaft erhöht. Die Muskulatur wirkt steif, angespannt und lässt sich nur eingeschränkt bewegen.

Typische Symptome einer spastischen Lähmung sind:

  • Muskelsteifigkeit
  • unwillkürliche Muskelanspannungen
  • schmerzhafte Krämpfe
  • gesteigerte Reflexe
  • Bewegungseinschränkungen
  • Fehlstellungen von Gelenken und Gliedmaßen

Die Spastik kann die Mobilität erheblich einschränken. Selbst alltägliche Bewegungen wie das Umsetzen in den Rollstuhl oder das Anziehen können für Betroffene zur großen Herausforderung werden.

Eine leichte Spastik empfinden Betroffene übrigens nicht ausschließlich als Nachteil. Manchmal kann die erhöhte Muskelspannung beim Stehen oder Umsetzen sogar unterstützend wirken.

Symptome der schlaffen Lähmung

Bei einer schlaffen Lähmung verlieren die Muskeln an Spannung – es passiert also das Gegenteil wie bei einer spastischen Lähmung.

Typische Merkmale einer schlaffen Lähmung sind:

  • stark verminderter Muskeltonus
  • fehlende Muskelspannung
  • Muskelschwäche
  • abgeschwächte oder fehlende Reflexe
  • Muskelschwund (Atrophie)
  • Instabilität der Gelenke

Im Gegensatz zur spastischen Lähmung wirken die betroffenen Körperbereiche häufig kraftlos und erschlafft. Ohne gezielte Therapie kann die Muskulatur innerhalb kurzer Zeit deutlich an Umfang und Kraft verlieren.

Psychische Folgen einer Plegie

Eine Plegie betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Viele Betroffene müssen sich nach einem Unfall oder einer Erkrankung völlig neu orientieren und lernen, mit veränderten körperlichen Voraussetzungen umzugehen.

Vor allem in der Anfangszeit nach der Diagnose einer Plegie können Unsicherheiten, Angst, Frustration, Trauer und Sorgen auftreten. Diese Reaktionen sind Teil eines individuellen Anpassungsprozesses. Mit Unterstützung durch Angehörige, Therapeuten, Rehabilitationszentren und Selbsthilfegruppen gelingt es vielen Menschen, neue Perspektiven zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Was sind die Ursachen für eine Plegie?

Grundsätzlich entsteht eine Plegie, wenn die Signalübertragung zwischen Gehirn, Rückenmark und Muskulatur vollständig unterbrochen wird. Die Ursache sind geschädigte Nervenstrukturen, die für die Bewegungssteuerung verantwortlich sind, und das Gehirn, das Rückenmark oder periphere Nerven (also Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks) betreffen.

Sind Gehirn oder Rückenmark betroffen, handelt es sich um eine zentrale Schädigung. Wenn hingegen Nerven außerhalb von Gehirn oder Rückenmark betroffen sind, spricht man von einer peripheren Schädigung.

Verletzungen durch Unfall

Schädigungen der Nerven entstehen häufig durch einen Unfall, bei dem das Rückenmark betroffen ist. Dies kann zum Beispiel bei Verkehrsunfällen, Stürzen, Arbeitsunfällen oder auch schweren Sportverletzungen der Fall sein.

Bei schweren Unfällen kann die Wirbelsäule oder das Rückenmark geschädigt werden, wodurch Nervenbahnen beschädigt oder sogar dauerhaft durchtrennt werden können. Je nach Höhe der Verletzung tritt eine Para- oder Tetraplegie ein.

Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet oder durch eine Blutung beschädigt. Dies kann zu einer Hemiplegie, also zur Lähmung einer Körperhälfte führen, wenn dabei motorische Hirnareale betroffen sind.

Neurologische Erkrankungen

Bei manchen neurologischen Erkrankungen ist die Signalübertragung zwischen Gehirn, Rückenmark und Muskulatur eingeschränkt. Wenn Nervenbahnen geschädigt werden, können dabei Lähmungen entstehen.

Dies wird unter anderem bei folgenden Krankheiten beobachtet:

  • Multiple Sklerose (MS): Bei Multipler Sklerose besteht eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, wobei die Hülle der Nervenfasern angegriffen wird, und Nervenimpulse langsamer oder gar nicht mehr weitergeleitet werden. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Parese und in manchen Fällen auch eine Plegie die Folge sein.
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Bei ALS-Betroffenen besteht eine fortschreitende Erkrankung der motorischen Nervenzellen, die dafür verantwortlich sind, Bewegungsbefehle vom Gehirn an die Muskulatur weiterzuleiten. Mit der Zeit verlieren die Muskeln ihre Funktion.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Bei der Autoimmunerkrankung GBS greift das Immunsystem periphere Nerven an. Eine der Folgen sind Lähmungen, die Extremitäten, Rumpf oder sogar die Atemmuskulatur betreffen können.
  • Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD): Bei diesen Autoimmunerkrankungen sind vor allem Rückenmark und Sehnerv betroffen. Die Entzündungen im Rückenmark können dabei große Bereiche schädigen und zu umfassenden Lähmungen führen.
  • Tumore: Vor allem Tumore im Gehirn oder Rückenmark können Bereiche betreffen, die für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich sind. Engen Tumore diese ein oder schädigen die Nervenstrukturen, können unter anderem Lähmungen auftreten.
  • Entzündungen des Rückenmarks (Myelitis): Bei einer Myelitis ist das Rückenmark entzündet, wodurch Nervenzellen und -bahnen geschädigt werden.
  • Weitere Entzündungen: Unter anderem bei Hirnhautentzündungen (Meningitis), Gehirnentzündungen (Enzephalitis) oder Kinderlähmung (Poliomyelitis) kann das Nervensystem angegriffen werden, wodurch Lähmungen entstehen können.

Diagnose: Wie wird eine Plegie festgestellt?

Die Diagnostik einer Plegie erfolgt in der Regel durch Neurologen, Neurochirurgen und spezialisierte Zentren für Querschnittslähmung.

Anamnese

Zu Beginn führt der Arzt wie in den meisten medizinischen Fällen ein Anamnesegespräch durch. Dabei werden unter anderem folgende Fragen geklärt:

  • Wann sind die Beschwerden erstmals aufgetreten?
  • Sind die Symptome plötzlich oder schleichend entstanden?
  • Gab es einen Unfall oder Sturz?
  • Bestehen Vorerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Diabetes?
  • Gibt es zusätzlich Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Blasenstörungen?

Durch diese Informationen kann der Arzt wichtige Rückschlüsse zur Ursache der Lähmung ziehen.

Neurologische Untersuchung

Nach einem Gespräch folgt die körperliche Untersuchung.

Ein wichtiges Instrument ist dabei die MRC-Skala. Beim MRC handelt es sich um das „Medical Research Council", bei welchem beurteilt wird, wie stark einzelne Muskelgruppen arbeiten können2. Die Bewertung reicht von:

  • 0 = keine Muskelaktivität bis
  • 5 = normale Muskelkraft

Durch diese Messung kann der Arzt feststellen, ob eine vollständige Lähmung (Plegie) oder eine teilweise Lähmung (Parese) vorliegt.

Außerdem kann der Arzt die Reflexe der Betroffenen testen. Bei einer spastischen Lähmung sind Reflexe häufig gesteigert. Bei einer schlaffen Lähmung sind sie dagegen meist abgeschwächt oder fehlen vollständig. Zudem prüft der Arzt, wie sensibel zum Beispiel Berührungen, Temperaturen und Schmerzen wahrgenommen werden.

Bildgebende Verfahren

Ergänzend zur neurologischen Untersuchung setzen Fachärzte in der Regel unterschiedliche bildgebende Verfahren ein. Diese können dabei helfen, Ursachenforschung zu betreiben.

Zu den wichtigsten Untersuchungen gehört die Magnetresonanztomografie (MRT). Dabei können detailreiche Bilder zum Beispiel von Gehirn, Rückenmark und Nerven erstellt werden, die Aufschluss für Schädigungen geben können. Bei einem MRT können unter anderem Schlaganfälle, Entzündungen, MS, Tumore und Schäden am Rückenmark erkannt werden.

Die Computertomografie (CT) wird vor allem in Notsituationen angewendet. Dabei können die Ärzte schnell feststellen, ob Wirbel gebrochen sind, Blutungen vorliegen oder das Rückenmark durch Knochenfragmente eingeengt wird.

Elektrophysiologische Untersuchungen

In manchen Fällen kann zunächst unklar sein, ob die Ursache der Lähmung im Nervensystem oder direkt in den Muskeln liegt. Um dies zu untersuchen, werden elektrophysiologische Verfahren zum Einsatz.

Mithilfe der Elektromyografie (EMG) wird die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen. Dieses Verfahren gibt Aufschluss darüber, ob Muskeln weiterhin Signale erhalten, ob Muskeln beschädigt sind und auch, wie stark die Lähmung ausgeprägt ist.

Die Elektroneurografie (ENG) hingegen misst die Geschwindigkeit, mit der Nerven elektrische Signale weiterleiten. Dadurch können die Nervenschädigungen genauer lokalisiert werden.

Wie wird eine Lähmung behandelt?

Die Behandlung einer Plegie richtet sich immer nach ihrer Ursache. Während bei einem Tumor häufig operative Maßnahmen notwendig sind, stehen bei neurologischen Erkrankungen oftmals Medikamente und rehabilitative Therapien im Vordergrund.

Gut zu wissen:
Die Behandlung einer Plegie verfolgt nicht nur das Ziel, die Ursache der Lähmung zu behandeln, sondern auch, Folgeschäden zu vermeiden, Schmerzen zu reduzieren und die bestmögliche Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.

Je früher eine Therapie beginnt, desto größer sind häufig die Chancen, vorhandene Funktionen zu erhalten oder teilweise zurückzugewinnen.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung erfolgt meist durch Medikamente, die den Muskeltonus herabsetzen und dadurch gleichzeitig schmerzhafte Muskelverspannungen und Spastiken lösen können oder entzündungshemmend wirken sollen.

In manchen Fällen wird auch Botulinumtoxin (Botox) gespritzt. Bei Botulinumtoxin handelt es sich um ein Nervengift, welches die betroffenen Muskeln lähmt. Der Wirkstoff wird gezielt in die betroffene Muskulatur injiziert und hemmt dort vorübergehend die übermäßige Muskelaktivität. Dadurch lassen sich Fehlstellungen reduzieren und Bewegungsabläufe häufig verbessern.

Auch zur Schmerztherapie werden Medikamente eingesetzt. In diesem Fall lindern sie lediglich die Symptome, können den Betroffenen damit jedoch ein Leben mit weniger Schmerzen ermöglichen.

Operative Behandlung

Eine Operation ist nicht bei jeder Plegie hilfreich und sinnvoll. Jedoch kann ein chirurgischer Eingriff helfen, weitere Schäden zu verhindern oder gute Voraussetzungen für eine Rehabilitation zu schaffen.

Chirurgische Eingriffe können beispielsweise erforderlich sein bei:

  • Rückenmarkskompressionen
  • Wirbelsäulenverletzungen
  • Tumoren
  • Blutungen im Gehirn oder Rückenmark
  • schweren Nervenschädigungen

Ziel ist es häufig, Druck von Nervenstrukturen zu nehmen, das Rückenmark zu entlasten oder die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Therapeutische Ansätze

Therapeutische Ansätze sind grundsätzlich interdisziplinär und richten sich individuell nach der Ursache und dem Ausmaß einer Lähmung sowie den Bedürfnissen des Patienten. Das allgemeine Ziel ist hierbei die Förderung von Selbstständigkeit und die Verbesserung der Lebensqualität sowie die Wiederherstellung der Funktion in den betroffenen Körperregionen.

  • Physiotherapie: Die Physiotherapie bildet in Behandlung einen essenziellen Baustein. Die wichtigsten Ziele sind der Erhalt der Gelenkbeweglichkeit, das Vorbeugen von Kontrakturen, die Verbesserung der Rumpfstabilität, die Förderung von Gleichgewicht, die Reduktion von Spastiken und das Training vorhandener Restfunktionen. In Abhängigkeit der Lähmung werden dabei aktive und passive Übungen eingesetzt.
  • Ergotherapie: In der Ergotherapie wird die Selbstständigkeit im Alltag durch gezielte alltägliche Übungen und der Einsatz von Hilfsmitteln gefördert. So lernen Betroffene zum Beispiel wieder, sich anzuziehen, zu kochen und technische Geräte zu nutzen. Besonders bei einer Tetraplegie und Hemiplegie kann Ergotherapie einen wichtigen Beitrag leisten, damit Betroffene möglichst viel Selbstständigkeit wiedererlangen.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES): Bei der funktionellen Elektrostimulation werden über Elektroden elektrische Impulse genutzt, um Muskeln zu aktivieren.  Dabei sollen die vorhandenen Funktionen unterstützt und Folgeschäden verhindert werden. So kann sich der Muskelabbau verringern, die Durchblutung verbessern und Bewegungsabläufe unterstützt werden.
  • Spiegeltherapie: Die Spiegeltherapie kann für eine Verbesserung der motorischen Funktion und Wahrnehmung sorgen. Die gesunde Extremität wird mithilfe eines klassischen Spiegels gespiegelt und erzeugt dadurch eine Täuschung im Gehirn, die vorgibt, dass sich die gelähmte Extremität bewegt. Das Gehirn erhält dadurch visuelle Reize, die bestimmte Bewegungsnetzwerke aktivieren können.
  • Einschränkungsinduzierte Bewegungstherapie: Über kurze Dauer findet bei einer einschränkungsinduzierten Bewegungstherapie eine Blockierung der gesunden Extremität statt, um das gelähmte Körperteil in Bewegungen zu setzen. Voraussetzung dafür ist eine zumindest geringe Restbeweglichkeit der betroffenen Körperpartie.
  • Mentales Training: Beim mentalen Training stellen sich die Betroffenen einzelne Bewegungen vor, obwohl sie diese in der Realität nicht durchführen. Studien und neurorehabilitative Konzepte zeigen, dass auch dadurch motorische Hirnregionen aktiviert werden können.

Wie verläuft eine Rehabilitation?

Neben den oben genannten Maßnahmen zur Behandlung einer Plegie ist außerdem eine ausgiebige Rehabilitation möglich. Diese wird individuell an den Patienten angepasst und richtet sich nach dem Phasenmodell der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation (BAR)3:

  • Phase A – Akutversorgung: Hier steht die medizinische Stabilisierung und Vermeidung von weiteren akuten Komplikationen im Vordergrund. Abhängig vom Gesundheitszustand und der neurologischen Ursache  erfolgt die Versorgung auf der Intensivstation, in der Notaufnahme oder auch auf der Stroke Unit (z. B. bei einem Schlaganfall).
  • Phase B – Frührehabilitation: Der Patient ist noch hochgradig pflegebedürftig. Die Maßnahmen dienen dazu, die Wahrnehmung zu verbessern und z. B. durch Kreislauftraining im Rollstuhl eine Frühmobilisierung durchzuführen.
  • Phase C – Weiterführende Rehabilitation: Die Patienten sind immer noch pflegebedürftig, aber in der Lage, aktiv bei kleinen therapeutischen Maßnahmen mitzuarbeiten. Das Ziel bei diesem Vorgehen ist es, eine Teilmobilisierung und Wiederherstellung der Selbstständigkeit zu erreichen.
  • Phase D – Anschlussrehabilitation: Die Zeit der klassischen, medizinischen Reha beginnt.  Die Patienten sind schon wieder weitestgehend selbstständig, benötigen jedoch immer noch Unterstützung. In dieser Phase wird der Fokus auf die Bewältigung des Alltags und die Selbstversorgung gelegt.
  • Phase E – Nachsorge und berufliche Reha: Die Patienten werden beruflich und sozial wieder in ihren Alltag eingegliedert. Es können zum Beispiel Anpassungsmaßnahmen erstellt und Umschulungen angeboten werden. Dabei spielt die Zusammenarbeit zwischen der Klinik, dem Patienten, dessen Angehörigen und dem Betrieb eine zentrale Rolle und verfolgt das Ziel, eine Teilhabe am Arbeitsalltag zu gewährleisten.
  • Phase F – Zustandserhaltende Dauerpflege: Die Patienten erhalten dauerhaft unterstützende, betreuende und zustandserhaltende Leistungen, weil trotz intensiver Reha keine funktionelle Rückbildung der Plegie zu erwarten ist. Der Ist-Zustand soll erhalten, Sekundärfolgen wie zum Beispiel Dekubitus vermieden und auch psychologische Unterstützung geboten werden.
Gut zu wissen:
Ob eine Plegie heilbar ist, hängt immer von Faktoren wie der Ursache, dem Schweregrad, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und der Lokalisation der Nervenschädigung ab. Was jedoch in jedem Fall gilt: Eine frühzeitige Therapie der Lähmung kann den Heilungsverlauf unterstützen, die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und in manchen Fällen eine gänzliche Heilung herbeiführen.

Welche Hilfsmittel sind bei einer Lähmung sinnvoll?

Bei einer temporären oder anhaltenden Plegie können unterschiedliche Hilfsmittel den Betroffenen eine große Unterstützung im Alltag bieten und die Selbstständigkeit fördern. Die geeignete Wahl des Hilfsmittels hängt dabei immer von der Ausprägung der Lähmung und den betroffenen Körperpartien ab.

Alltagshelfer

Alltagshelfer  unterstützen Betroffene dabei, sich – wie der Name bereits sagt – im Alltag wieder besser zurechtzufinden und auch kleine Aufgaben wieder selbstständig zu erledigen. Solche Hilfsmittel können zum Beispiel Einhänderbretter zum Schneiden, Greifhilfen, Anziehhilfen oder elektrische Öffnungssysteme sein. Diese Dinge können je nach allgemeinem Gesundheitszustand dafür sorgen, dass der Patient weiterhin in seinem gewohnten Umfeld wohnen kann und nicht in eine Pflegeeinrichtung umziehen muss.

Orthesen

Orthesen stabilisieren Gelenke, unterstützen Bewegungsabläufe und können helfen, Fehlstellungen vorzubeugen. Je nach betroffenem Körperteil gibt es sie zum Beispiel für die Hand, den Fuß oder das Knie. Durch die höhere Stabilität der Gelenke kann die Mobilität verbessert und auch ein Training in der Rehabilitation ermöglicht werden.

Mobilitätshilfen

In einigen Fällen reicht die Stabilisierung durch Orthesen nicht aus. Dann können Mobilitätshilfen wie Gehstützen oder Rollatoren eine große Unterstützung im Alltag sein. Welches Hilfsmittel am besten geeignet ist, hängt von der Mobilität ab. Gehhilfen sind optimal, wenn die Betroffenen über eine gute Mobilität und ausreichend Stabilität im Körper verfügen, sodass durch eine Gehhilfe lediglich die Gangsicherheit gestärkt wird. Ein Rollator hingegen bietet deutlich mehr Unterstützung beim Gehen, wobei die Motorik in den Beinen und auch in den Armen zum Abstützen ausreichend vorhanden sein sollte.

Rollstühle

Für Menschen, die aufgrund ihrer Plegie zu Fuß gar nicht mehr mobil sind, kann ein Rollstuhl die optimale Lösung sein. Für Betroffene einer Paraplegie oder Tetraplegie ist ein Rollstuhl in der Regel das einzige Hilfsmittel, welches eine Fortbewegung ermöglicht.

Wenn Betroffene viele Stunden am Tag im Rollstuhl verbringen, ist ein optimaler Komfort besonders wichtig, um Folgeschäden, Druckstellen (Dekubitus) und Schmerzen zu vermeiden. Standardrollstühle eignen sich häufig nur für den kurzfristigen Einsatz. Deshalb sind individuell angepasste Modelle oder Rollstühle, die von Werk aus einen besonders hohen Komfort bieten, optimal.

Bei einem anpassbaren Rollstuhl gehören zu den wichtigsten Einstellmöglichkeiten die Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Rückenlehnenhöhe, Armlehnenposition und die Einstellung der Fußstütze. Diese individuellen Einstellungen fördern eine ergonomische Sitzhaltung, die den Körper entlastet und Fehlhaltungen vorbeugen kann. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anpassung an die noch vorhandenen körperlichen Funktionen. Während Menschen mit einer Paraplegie häufig ausreichend Armkraft besitzen, um einen Rollstuhl selbstständig zu bedienen, benötigen Menschen mit Tetraplegie oftmals zusätzliche Unterstützung durch elektrische Antriebe oder spezielle Steuerungssysteme. Individuell einstellbare Elektrorollstühle können beispielsweise mit unterschiedlichen Joystick-Varianten, besonders leichtgängigen Bedienelementen oder alternativen Steuerungsmöglichkeiten ausgestattet werden, um die Bedienung bestmöglich an die vorhandenen Fähigkeiten anzupassen.

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Zu den individuell anpassbaren Rollstühlen zählt zum Beispiel der ergoflix® vario. Der elektrische Faltrollstuhl bietet mehr als 250 Einstellungsmöglichkeiten und kann damit direkt in Deinem Sanitätshaus optimal an Deine Körpermaße angepasst werden – für eine ergonomische Sitzposition. Die Einstellungsmöglichkeiten können Fehlbelastungen und Druckstellen reduzieren. Das Modell besitzt eine Hilfsmittelnummer und kann damit von der Krankenkasse bezuschusst werden.
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Nicht zuletzt ist die Entscheidung für einen manuellen oder elektrischen Rollstuhl ein entscheidender Faktor: Ob ein manueller oder elektrischer Rollstuhl infrage kommt, hängt ebenfalls von den körperlichen Voraussetzungen ab. Menschen mit Paraplegie verfügen häufig über ausreichend Armkraft, um einen Aktivrollstuhl selbstständig anzutreiben. Bei einer Tetraplegie oder ausgeprägten Muskelschwäche stoßen manuelle Lösungen dagegen oft an ihre Grenzen. In diesen Fällen können Elektrorollstühle mit individuell anpassbaren Steuerungssystemen, beispielsweise über Joystick-, Kinn- oder Spezialsteuerungen, deutlich mehr Selbstständigkeit ermöglichen.

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Leben mit Plegie: Tipps für den Alltag mit einer Lähmung

Je nach Ausprägung ist es auch mit einer Plegie möglich, selbstständig am Leben teilzunehmen. Dafür ist neben der medizinischen Versorgung ein angepasstes Umfeld und die Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten wichtig.

Wohnen

Möchten Betroffene einer Plegie weiterhin in den eigenen vier Wänden wohnen, sind häufig umfassende Anpassungen nötig. Bereits vergleichsweise kleine Änderungen können den Alltag deutlich erleichtern. Dazu gehören beispielsweise:

  • schwellenfreie Übergänge zwischen Räumen
  • breitere Türen für die Nutzung eines Rollstuhls
  • automatische Türöffner
  • ausreichend Bewegungsflächen
  • rutschfeste Bodenbeläge
  • gut erreichbare Lichtschalter und Steckdosen

Besonders in Bad und Küche sind häufig zusätzliche Anpassungen erforderlich. Bodengleiche Duschen, Haltegriffe, höhenverstellbare Waschbecken oder unterfahrbare Arbeitsflächen können dazu beitragen, möglichst viele Tätigkeiten selbstständig auszuführen. Für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf kommen zudem Pflegebetten, Hebesysteme oder Treppenlifte infrage.

Lassen sich diese Maßnahmen nicht umsetzen, besteht auch die Möglichkeit, in ein modernes, barrierefreies Zuhause umzuziehen, welches zumindest die meisten der Voraussetzungen bereits erfüllt.

Können sich Plegie-Patienten vorstellen, mit anderen Menschen zusammenzuleben, ist auch der Einzug in eine inklusive Wohngemeinschaft eine Option. Dort wohnen Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen zusammen und helfen sich gegenseitig im Alltag. In Kombination mit barrierefreien Wohnräumen kann dies ein echter Gewinn sein.

Auch der Umzug in ein klassisches betreutes Wohnen in einer Pflegeeinrichtung ist denkbar. Diese Lösung ist vor allem dann empfehlenswert, wenn das selbstständige Leben so weit eingeschränkt ist, dass ein sehr hoher medizinischer Pflege- und Versorgungsbedarf besteht.

Psychische Gesundheit: Umgang mit der Erkrankung

Eine Plegie kann das Leben von heute auf morgen drastisch verändern, ob durch Krankheit oder Unfall herbeigeführt. Die Lähmung stellt dabei nicht nur eine körperliche, sondern auch eine emotionale Belastung dar. Viele Betroffene erleben die Diagnose zunächst als tiefgreifenden Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Gefühle wie Unsicherheit, Frustration, Trauer oder Zukunftsängste treten auf.

Die Situation zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt, um künftig auch die psychische Gesundheit zu wahren und nicht dauerhaft im Kampf gegen die Veränderung zu sein. Akzeptanz bedeutet jedoch nicht, sich aufzugeben. Vielmehr geht es darum, die neue Situation anzunehmen und Schritt für Schritt Wege zu finden, den Alltag weiterhin aktiv zu gestalten.

Viele Betroffene profitieren dabei von:

  • psychotherapeutischer Unterstützung
  • Rehabilitationspsychologie
  • Selbsthilfegruppen
  • Peer-Beratungen durch andere Betroffene
  • Gesprächen mit Angehörigen und Freunden

Der Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann besonders wertvoll sein. Es können hilfreiche Tipps ausgetauscht und vor allem Mut gemacht werden.

Gut zu wissen:
Die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e. V. bietet unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit einer Lähmung an. Dort sind unter anderem Menschen aktiv, die in ähnlicher Situation waren und nachempfinden können, vor welchen Herausforderungen Betroffene, Angehörige und Freunde stehen. Nimm einfach Kontakt zur Organisation auf und lasse Dich beraten.
Kontakt zur Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e. V. 

Fazit

Eine Plegie ist eine vollständige Lähmung eines oder mehrerer Körperteile, die je nach Ursache und betroffener Körperregion unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Eine frühzeitige Diagnose, gezielte Therapie und passende Hilfsmittel können wesentlich dazu beitragen, Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Individuell angepasste Rollstühle spielen dabei für viele Betroffene eine zentrale Rolle im Alltag.

FAQ

Was ist eine Plegie?

Eine Plegie ist eine vollständige Lähmung eines Muskels, einer Muskelgruppe oder eines Körperbereichs. Bei einer Plegie ist die Bewegungsfähigkeit der betroffenen Muskulatur vollständig ausgefallen.

Welche Arten von Plegie gibt es?

Zu den häufigsten Formen der Plegie zählen die Monoplegie, Hemiplegie, Paraplegie, Tetraplegie und Diplegie. Sie unterscheiden sich danach, welche Körperregionen von der Lähmung betroffen sind.

Welche Symptome treten bei einer Plegie auf?

Typische Symptome einer Plegie sind der vollständige Verlust der Bewegungsfähigkeit, Sensibilitätsstörungen, Muskelabbau, Blasen- und Darmfunktionsstörungen sowie je nach Schädigungshöhe auch Atem- oder Kreislaufprobleme.

Wo liegt der Unterschied zwischen Plegie und Parese?

Der Unterschied zwischen Plegie und Parese liegt im Ausmaß der Lähmung. Während bei einer Parese noch eine eingeschränkte Restfunktion vorhanden ist, handelt es sich bei einer Plegie um eine vollständige Lähmung ohne willkürliche Bewegungsmöglichkeit.

Was ist die Ursache für eine Plegie?

Eine Plegie entsteht durch Schädigungen des Gehirns, Rückenmarks oder der Nerven. Häufige Ursachen sind Unfälle, Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Tumore oder andere neurologische Erkrankungen.

Ist eine Querschnittslähmung dasselbe wie eine Plegie?

Nein, eine Querschnittslähmung ist nicht dasselbe wie eine Plegie. Die Querschnittslähmung beschreibt eine Schädigung des Rückenmarks, während die Plegie die daraus resultierende vollständige Lähmung bestimmter Körperbereiche bezeichnet.

Was ist der Unterschied zwischen einer spastischen und einer schlaffen Lähmung?

Der Unterschied zwischen einer spastischen und einer schlaffen Lähmung liegt in der Muskelspannung. Bei einer spastischen Lähmung ist die Muskelspannung erhöht, während bei einer schlaffen Lähmung die Muskulatur erschlafft und die Muskelspannung vermindert oder vollständig aufgehoben ist.

Ist eine Plegie heilbar?

Ob eine Plegie heilbar ist, hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Einige Lähmungen können sich teilweise oder vollständig zurückbilden, während andere dauerhaft bestehen bleiben. Eine frühzeitige Behandlung und Rehabilitation verbessern die Chancen auf funktionelle Verbesserungen.

  1. DocCheck Flexikon: Plegie; abgerufen am 09.09.2026 ↩︎
  2. Neurologienetz – Das Informationsportal für Ärzte: Motorik; abgerufen am 09.09.2026 ↩︎
  3. Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation: Empfehlungen zur Neurologischen Rehabilitation von Patienten mit schweren und schwersten Hirnschädigungen in den Phasen B und C; abgerufen am 09.09.2026 ↩︎

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