
Vielleicht kennst Du das Gefühl: Mit einem Wetterumschwung wirst Du plötzlich müde, hast Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme oder andere Symptome. Häufig ist Wetterfühligkeit die Ursache für diese Beschwerden. Dabei handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine verstärkte Reaktion des Körpers auf Veränderungen von Temperatur und Luftdruck. In diesem Blogbeitrag erfährst Du, welche biologischen Mechanismen hinter Wetterfühligkeit stehen, wie sich typische Beschwerden bei Kalt- und Warmfronten unterscheiden und mit welchen gezielten Maßnahmen Du Deinen Körper widerstandsfähiger gegenüber Wetterumschwüngen machen kannst.
Wetterfühligkeit bedeutet, dass die betroffenen Personen körperliche und / oder psychische Beschwerden verspüren, wenn sich die Wetterverhältnisse ändern. Bei Wetterfühligkeit handelt es sich nicht um ein klassisches Krankheitsbild, sondern vielmehr um Reaktionen des Körpers auf die Wetterveränderungen.
Der Körper reagiert dabei vor allem empfindlich auf Änderungen von Luftdruck und Temperatur. Dieses Empfinden betrifft vor allem die Gefäße, den Kreislauf und das Nervensystem.
Bei dem Thema Wetterfühligkeit spielen die sogenannten Barorezeptoren eine große Rolle. Diese hochsensiblen Drucksensoren befinden sich in den Halsschlagadern (Carotiden) sowie im Herzkranzgefäßbereich. Die Aufgabe der Barorezeptoren ist es, kontinuierlich den Blutdruck zu messen und die daraus gewonnenen Informationen an das vegetative Nervensystem weiterzuleiten. Gibt es draußen nun Schwankungen im Luftdruck, hat dies Auswirkungen auf die Barorezeptoren:
Die Symptome bei wetterfühligen Menschen sind individuell und lassen sich nicht pauschal auf alle Betroffenen übertragen. Dennoch gibt es typische Symptome, die bei bestimmten Wetterlagen häufig auftreten. Dabei unterscheiden diese sich vor allem in Abhängigkeit davon, ob wir uns in einer Warm- oder Kaltfront befinden.
Eine Kaltfront entsteht, wenn kalte Luftmassen die warme Luft verdrängen. Typische Folgen sind Temperaturabfall, Wind und steigender Luftdruck. Häufige Symptome sind:
Das passiert im Körper bei einer Kaltfront: Die schnelle Abkühlung bei einer Kaltfront führt im menschlichen Körper zu einer Vasokonstriktion (Gefäßverengung). Zugleich muss der Körper die Wärmeproduktion erhöhen. Dadurch werden die Muskeln und der Kreislauf stärker beansprucht.
Eine Warmfront entsteht, wenn warme Luft über kalte Luftmassen gleitet. Hierbei kommt es häufig zu steigenden Temperaturen, höherer Luftfeuchtigkeit und sinkendem Luftdruck. Häufige Symptome sind:
Das passiert im Körper bei einer Warmfront: Der sinkende Luftdruck bei einer Warmfront kann im Körper zu einer Vasodilatation (Gefäßerweiterung) führen. Zugleich erschwert die hohe Luftfeuchtigkeit die Wärmeabgabe des Körpers. Dies belastet die Thermoregulation.
Wie oben bereits erklärt, hat das menschliche Nervensystem bei schnellen Wetteränderungen die Aufgabe, einige Mechanismen wie die Herzfrequenz, den Gefäßtonus und den Blutdruck anzupassen, damit das Gehirn weiterhin mit Blut versorgt wird. Das vegetative Nervensystem steuert also automatisch lebenswichtige Funktionen. Ist ein Mensch wetterfühlig, kann dies darauf hindeuten, dass sein Nervensystem „untrainiert" ist.
Das bedeutet, dass das Nervensystem bei z. B. Temperatur- oder Luftdruckschwankungen langsamer bzw. überempfindlich reagiert, was die oben aufgeführten Symptome verursachen kann.
Übrigens: Stress kann diesen Effekt verstärken, da Stresshormone wie Cortisol die Gefäßreaktion verändern und die Thermoregulation stören.
Die gute Nachricht ist: Tatsächlich kann man sein Nervensystem „trainieren", um dem entgegenzuwirken. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass regelmäßige thermoregulatorische Reize die Wetterempfindlichkeit verringern können.
Wenn Du Dein Nervensystem trainieren und der Wetterfühligkeit entgegenwirken möchtest, kann das sogenannte vaskuläre Training eine sinnvolle Methode für Dich sein. Dabei arbeitest Du mit Wechselreizen. Übungen sind zum Beispiel:
Bist Du von einer Geheinschränkung betroffen und nutzt eine Mobilitätshilfe wie einen Rollator oder einen Elektrorollstuhl, solltest Du Dich nicht davon abhalten lassen, aktiv zu sein. Lege die Strecken zurück, die für Dich angenehm sind. Auch in den eigenen vier Wänden kannst Du Sport in Deinem Tempo machen.
Wenn Du unter Wetterfühligkeit leidest und dem entgegenwirken möchtest, kannst Du die oben genannten Methoden regelmäßig miteinander kombinieren. Wechselduschen und Bewegung kannst Du mehrfach pro Woche in den Alltag integrieren und Saunagänge nach Bedarf hinzunehmen.
Die regelmäßigen thermischen Reize verbessern auf Dauer Deine Gefäßreaktivität, Kreislaufstabilität und die Thermoregulation, wodurch die Chance besteht, dass Du mit der Zeit weniger empfindlich auf Wetterumschwünge reagierst.
Zusätzlich zum oben beschriebenen Gefäßtraining kannst Du auch kleine Hausmittel gegen Deine Wetterfühligkeit anwenden:
Wusstest Du, dass es medizinische Wetterprognosen (auch: Biowetter) gibt? Diese Prognosen analysieren, wie meteorologische Veränderungen den menschlichen Organismus beeinflussen können und liefern damit wichtige Informationen für Menschen, die unter Wetterfühligkeit leiden. In Deutschland stellt der Deutsche Wetterdienst (DWD) diese Prognosen bereit. Die Prognosen berücksichtigen unter anderem Faktoren wie Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und besondere Wärme bzw. Kälte.
Wenn Du wetterfühlig bist, können medizinische Wetterprognosen dabei helfen, Deinen Alltag sinnvoll zu planen. So kannst Du Dich zum Beispiel auf eine Belastung Deines Nervensystems sowie entsprechende Symptome vorbereiten, wenn unter anderem folgende Wetterprognosen gelten:
Als wetterfühliger Mensch ist es sinnvoll, anhand des Biowetters gezielt Training und Ruhephasen zu planen. Stabile Wetterlagen (z. B. Hochdruckphase) kannst Du für intensive Bewegung und vaskuläres Training nutzen. Belastende Wetterlagen solltest Du eher für moderate Aktivitäten und Regeneration nutzen. Reduziere in diesen Phasen außerdem Stress.
Um Deine Wetterfühligkeit gut managen zu können, ist eine gezielte Selbstbeobachtung wichtig. Denn nicht jeder Mensch reagiert auf jedes Wetterereignis gleich. Ein Biowetter-Tagebuch kann helfen: Notiere Dir zum Beispiel Datum, Luftdruck, Temperaturänderung, Deine Symptome sowie Parameter wie Schlafqualität und Stresslevel. Nach mehreren Wochen kannst Du so zuverlässig individuelle Trigger erkennen. Dies hilft Dir dabei, in Zukunft auf entsprechende Wetterlagen besser vorbereitet zu sein.
Dank der Wetterprognosen kannst Du Deinen Alltag gezielt anpassen. Die Strategien sind dabei individuell. Nachfolgend haben wir einige Beispiele zusammengefasst, die vielen Menschen mit Wetterfühligkeit helfen:
Beim Thema Wetterfühligkeit müssen wir zwischen dieser und der sogenannten Wetterempfindlichkeit unterscheiden. Auch wenn die beiden Begriffe ähnlich klingen, unterscheiden sie sich in ihrer Definition deutlich voneinander.
Wetterfühligkeit beschreibt physische und / oder psychische Beschwerden, die bei ansonsten gesunden Menschen im Zusammenhang mit Wetterveränderungen auftreten. Bei wetterfühligen Menschen ist keine zugrunde liegende Erkrankung vorhanden. Die Beschwerden entstehen hier häufig durch eine verstärkte Reaktion des Kreislaufs und des Nervensystems auf Umweltreize. Aus diesem Grund wird Wetterfühligkeit in der Medizin auch als Befindlichkeitsstörung oder physiologische Anpassungsreaktion bezeichnet.
Wetterempfindlichkeit hingegen tritt bei Menschen mit bestehender Erkrankung auf. Das bedeutet, dass sich durch bestimmte Wetterbedingungen die Symptome einer vorhandenen Erkrankung verschlechtern. So haben zum Beispiel Menschen mit Rheuma stärkere Schmerzen, Migränepatienten vermehrt Anfälle oder Asthmatiker stärkere Atemprobleme. Diese Verschlechterung wird durch die Wetterfaktoren als Trigger ausgelöst, indem sie bestehende physiologische Prozesse verstärken, zum Beispiel Entzündungsprozesse, Gefäßreaktionen oder neuronale Schmerzmechanismen.
Wetterfühligkeit entsteht durch die Reaktion von Gefäßen, Barorezeptoren und dem vegetativen Nervensystem auf Luftdruck- und Temperaturwechsel. Als betroffene Person kannst Du Deine Thermoregulation und Gefäßreaktionen gezielt trainieren – beispielsweise durch Wechselduschen, Sauna oder Bewegung. Dadurch können Deine Beschwerden deutlich gelindert werden. Es ist empfehlenswert, das Biowetter zu nutzen, Symptome zu protokollieren und seinen Alltag an die Wetterbedingungen anzupassen. So kannst Du Deinen Alltag anpassen und Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme bei Kalt- und Warmfronten systematisch vorbeugen.


4 comments on “Wie kannst Du Wetterfühligkeit entgegenwirken? ”
Ich bekomme schwer Luft und kann nicht richtig durchadmen bei Wetterwechsel was kann ich dagegen tun
Hallo Walter,
vielen Dank für Deinen Kommentar. Es tut uns leid zu hören, dass Du mit dieser gesundheitlichen Herausforderung zu kämpfen hast.
Wir empfehlen Dir, Dich bei einem Arzt, z. B. Deinem Hausarzt, vorzustellen und Deine Symptome dort zu besprechen. Wir von ergoflix sind kein ärztliches Fachpersonal, daher können und wollen wir keine medizinischen Ratschläge geben.
Alles Gute für Dich!
Herzliche Grüße aus Hamminkeln
Dein ergoflix-Team
Leider erwischt es mich immer wieder.
Hallo Hans,
es tut uns leid zu hören, dass auch Du unter Wetterfühligkeit leidest.
Vielleicht helfen Dir ja die Tipps aus unserem Beitrag? Probiere sie gerne aus!
Wir wünschen Dir alles Gute.
Herzliche Grüße aus Hamminkeln
Dein ergoflix-Team