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ME/CFS: Symptome, Diagnose und Leben mit der Krankheit
ME/CFS: Symptome, Diagnose und Leben mit der Krankheit
Veröffentlicht am 7. August 2026 · https://ergoflix.de/blog/me-cfs-symptome-diagnose-und-leben-mit-der-krankheit/
ME/CFS ist eine neurologische Multisystemerkrankung, die den gesamten Organismus betreffen kann. Betroffene leiden häufig unter schwersten körperlichen Einschränkungen, sodass allein ein kleiner Spaziergang oder das tägliche Duschen dazu führen können, dass sie danach tagelang das Bett nicht mehr verlassen können. Warum ME/CFS nicht allein ein Erschöpfungszustand ist, welche Ursachen bekannt und welche Therapien möglich sind, erfährst Du in diesem Blogbeitrag.
Das Wichtigste in Kürze
• ME/CFS ist eine schwere chronische Erkrankung, deren Leitsymptom die Post-Exertional Malaise (PEM) ist, also eine deutliche Verschlechterung der Symptome nach Belastung.
• Die Diagnose ME/CFS erfolgt anhand typischer Symptome und durch den Ausschluss anderer Erkrankungen, da es bisher keinen eindeutigen Test für ME/CFS gibt. • Pacing und energiesparende Hilfsmittel wie E-Rollstühle können Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen und Zusammenbrüche zu vermeiden.
Was ist ME/CFS?
ME/CFS (lang: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) zählt zu den neurologischen Erkrankungen und ist seit 1969 offiziell von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als solche definiert. Doch auch, wenn die Bezeichnung "Fatigue-Syndrom" vermuten lassen könnte, dass es sich dabei um eine anhaltende Müdigkeit handelt, ist ME/CFS weit mehr als das. Die neurologische Erkrankung kann unter anderem
Nervensystem
Immunsystem
Herz-Kreislauf-System
Stoffwechsel
Hormonhaushalt
Energiebereitstellung der Zellen
betreffen. Dies führt bei den Betroffenen dazu, dass sie sowohl körperlich als auch geistig einer schwerwiegenden Störung der Belastbarkeit ausgesetzt sind. Das meint: Sie sind in einem massiven Ausmaß weniger belastbar als gesunde Menschen.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, betrifft häufiger Frauen als Männer und tritt meistens nach einer Virusinfektion auf (postviral).
Symptome von ME/CFS
Die Symptome von ME/CFS sind vielfältig und nicht jede betroffene Person hat alle bzw. die gleichen Symptome. Die häufigsten Symptome von ME/CFS sind:
Fatigue
Leiden betroffene von ME/CFS an Fatigue, ist das weit mehr als eine klassische Müdigkeit. Es ist ein Zustand der dauerhaften Erschöpfung, der auch durch Schlaf nicht bedeutend besser wird. Außerdem nimmt sowohl die körperliche als auch die mentale Belastbarkeit stark ab.
Brain Fog
Beim sogenannten Brain Fog treten kognitive Einschränkungen auf. Diese äußern sich vor allem in folgenden Symptomen:
Konzentrationsprobleme
Wortfindungsstörungen
Gedächtnisprobleme
verlangsamtes Denken
Schwierigkeiten bei mehreren Aufgaben gleichzeitig
Schmerzen
Physische Schmerzen zählen ebenfalls zu den häufigen Symptomen von ME/CFS. Diese spüren Betroffene häufig in den Gelenken, in Kopf und Nacken sowie in den Muskeln. Außerdem kann an unterschiedlichen Stellen des Körpers eine allgemeine Druckempfindlichkeit auftreten, die ebenfalls zu Schmerzen führt.
Schlafstörungen
Viele von ME/CFS Betroffene verbringen viel Zeit im Bett, um sich auszuruhen. Das heißt jedoch nicht, dass sie die ganze Zeit schlafen. Denn häufig treten sowohl Probleme beim Einschlafen als auch beim Durchschlafen auf. Außerdem fühlen sich viele Betroffene nach dem Schlaf nicht erholt und ausgeschlafen. Dies kann wiederum zur Folge haben, dass ich das Tag-Nacht-Rhythmus stark verschiebt.
Post-Exertional Malaise (PEM)
Post-Exertional Malaise ist kein klassisches Symptom von ME/CFS, sondern ein Merkmal, welches sich auf die oben genannten Symptome auswirkt.
Bei PEM handelt es sich um eine verzögert eintretende und oft schwerwiegende Zustandsverschlechterung nach Belastungen. Die Belastung muss dabei nicht zwingend körperlicher Natur sein, sie kann auch geistig oder emotional verursacht sein.
Bereits das Lesen einer längeren E-Mail, ein Arzttermin oder ein kurzes Treffen mit Freunden können ausreichend sein, um PEM hervorzurufen. Typisch ist, dass die Verschlechterung erst Stunden oder teilweise Tage nach der Belastung auftritt. Die Erholung kann Tage, Wochen oder Monate dauern.
PEM gilt heute als eines der wichtigsten diagnostischen Merkmale von ME/CFS.
Gut zu wissen:
Nicht nur nach Belastungen können die Beschwerden zunehmen. Bei vielen Betroffenen zeigt sich eine Verschlechterung auch im Sitzen und Stehen. Dann spricht man von einer sogenannten „orthostatischen Intoleranz". Diese äußert sich zum Beispiel in: Schwindel, Herzrasen, Benommenheit, Ohnmachtsgefühl.
Ursachen von ME/CFS
Bis heute ist nicht eindeutig erforscht, wodurch ME/CFS entsteht. Die Forschenden gehen davon aus, dass die biologische Erkrankung unterschiedliche Systeme des Körpers betrifft.
Was man schon weiß, ist, dass ME/CFS häufig nach viralen Infektionen auftritt, weshalb man von einer postviralen Erkrankung spricht. Häufig vorangehende Infektionen sind:
Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber)
Influenza
COVID-19 (Long Covid)
Besonders Long Covid ist in den vergangenen Jahren nach der Corona-Pandemie mehr in den Fokus gerückt. Die Betroffenen leiden Wochen oder Monate nach Beginn der Infektion noch an Symptomen, was sich mitunter zu einer chronischen Erkrankung entwickeln kann. In unterschiedlichen Studien ist zu erkennen, dass nach einem halben Jahr Erkrankungsdauer ungefähr die Hälfte der Long-Covid-Erkrankten die Diagnosekriterien für ME/CFS erfüllen (Quelle: Dehlia & Gutrigde, 2024). Müdigkeit, Schlafstörungen und Muskel-/Gelenkschmerzen waren dabei die häufigsten Symptome. Auch unter PEM leiden viele Long-Covid-Patienten.
Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V. berichtet außerdem von weiteren Forschungsergebnissen, im Rahmen derer „viele pathophysiologische Auffälligkeiten für die Krankheit festgestellt [wurden], die z. T. mehrfach bestätigt werden konnten". Sie berichten unter anderem von:
einer veränderten Form sowie verminderten Verformbarkeit der roten Blutkörperchen, was die Mikrozirkulation des Blutes negativ beeinflusst
einem verminderten Blutfluss auch im Gehirn, der zu einer Minderversorgung der Organe und Muskulatur führen kann
einer eingeschränkten systemischen Sauerstoffversorgung, die durch einen Laktatanstieg im Liquor (das zentrale Nervensystem umgebende Nervenwasser) sowie eine verminderte Aufnahme von Glukose im Gehirn festgestellt wurde
Bis Betroffene die Diagnose ME/CFS erhalten, vergeht in der Regel viel Zeit und es sind einige Besuche bei Ärzten nötig. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es keine Labortests, Blutwerte oder bildgebende Verfahren zum Nachweis der Erkrankung gibt, dass die Symptome häufig unspezifisch sind und vor einer Diagnosestellung andere Krankheiten ausgeschlossen werden müssen. So sind zum Beispiel Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Schlafprobleme oder Schmerzen zunächst unspezifische Beschwerden, die grundsätzlich auch bei anderen Krankheitsbildern vorkommen.
Kanadische Konsenskriterien
Seit 2003 werden international zur Diagnosestellung von ME/CFS die Kanadischen Konsenskriterien herangezogen. Dabei werden Symptome in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt und anschließend bewertet.
1. Erschöpfung/Fatigue und Zustandsverschlechterung nach Belastung
deutliches Ausmaß einer neu aufgetretenen, anderweitig nicht erklärbaren, andauernden körperlichen oder mentalen Erschöpfung, die zu einer erheblichen Reduktion des Aktivitätsniveaus führt
Erschöpfung, Verstärkung des schweren Krankheitsgefühls und/oder Schmerzen nach Belastung mit einer verzögerten Erholungsphase (meist mehr als 24 Stunden, kann Tage dauern)
Die Symptome können durch jede Art von körperlicher oder mentaler Anstrengung oder Stress verschlechtert werden.
2. Schlafstörungen
Einschlafstörungen
Durchschlafstörungen
Veränderter Tag-Nacht-Rhythmus
Schlaf führt zu keiner Erholung
3. Schmerzen
Gelenkschmerzen
Muskelschmerzen
Kopfschmerzen
4. Neurologische/Kognitive Manifestation
Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses
Schwierigkeiten mit der Informationsverarbeitung
Wortfindungsstörungen
Lesestörungen
Wahrnehmungs- und Sinnesstörungen
Desorientierung oder Verwirrung
Bewegungskoordinationsstörungen
Es kommt zu Überlastungserscheinungen (Rückfälle und/oder Ängste) durch: zu viele Informationen, zu viele Sinneseindrücke (z. B. Licht, Lärm), zu viel Stress
5. Autonome Manifestation
Schnelle Lagewechsel (v. a. Liegen zum Stehen) führen zu Schwindel und/oder „Schwarzwerden vor Augen”.
Gewichtsabnahme Stress ist schlechter zu verarbeiten
Stress führt zu einer Verstärkung der Erschöpfung und emotionaler Unsicherheit.
7. Immunologische Manifestationen
schmerzhafte Lymphknoten
wiederkehrende Halsschmerzen
neue Allergien / bereits bestehende Allergien haben sich verändert
Grippe-ähnliche Symptome oder allgemeines Krankheitsgefühl
Überempfindlichkeit, Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Chemikalien
Die Auswertung dieser Kriterien folgt einer genauen Vorgabe:
Die Erkrankung muss für mindestens 6 Monaten bestehen, um ME/CFS von einer postinfektiösen Fatigue abzugrenzen. Für die Diagnose ME/CFS müssen außerdem folgende Kriterien der oben aufgeführten Kategorien erfüllt sein:
alle unter 1. Erschöpfung/Fatigue und Zustandsverschlechterung nach Belastung
mindestens eines unter 2. Schlafstörungen
mindestens eines unter 3. Schmerzen
mindestens zwei unter 4. Neurologische/Kognitive Manifestationen
eins oder mehrere Symptome von mindestens zwei der Kategorien 5. Autonome, 6. Neuroendokrine und 7. Immunologische Manifestationen.
FlixTipp:
Die Kanadischen Konsenskriterien findest Du als Fragebogen zum Ausfüllen bei dem Charité Fatigue Centrum.
Zusätzlich zu den Kanadischen Konsenskriterien spielt die Ausschlussdiagnostik eine wichtige Rolle bei der Diagnose von ME/CFS. Dabei soll festgestellt werden, ob eine andere Erkrankung die Beschwerden erklären könnte.
Je nach individueller Symptomatik können unter anderem folgende Untersuchungen erfolgen:
Blutuntersuchungen
Schilddrüsendiagnostik
Kontrolle des Eisen-, Vitamin- und Hormonstatus
Herz-Kreislauf-Untersuchungen
Schlafdiagnostik
neurologische Untersuchungen
rheumatologische Untersuchungen
Diese können dabei helfen, andere Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome wie ME/CFS aufweisen können (Differentialdiagnose). Das Charité Fatigue Centrum führt folgende Krankheiten als Differentialdiagnosen auf:
Undifferenzierte Kollagenose/PMR/ Sjögren-Syndrom
Fibromyalgie*
M. Bechterew/ Psoriasisarthritis
Hashimoto- Thyreoiditis*
Endometriose*
Tumorfatigue
Chronische Hepatitiden
Lyme-Borreliose
CED, Zöliakie
Reizdarm Syndrom*
PBC/PSC
HWS-Spinalstenosen/ Instabilität*
Myasthenia gravis
Multiple Sklerose
Gut zu wissen:
Das Vorliegen einer anderen Erkrankung schließt ME/CFS nicht grundsätzlich aus. Viele Betroffene leben zusätzlich mit weiteren Erkrankungen oder Begleiterkrankungen, die ebenfalls behandelt werden müssen (Komorbidität).
Therapie und Behandlung von ME/CFS
Nach aktuellem Stand der Medizin ist ME/CFS nicht heilbar und es gibt keine wissenschaftlich fundierten Behandlungsmöglichkeiten. Jedoch kommt der Erkrankung inzwischen eine größere Aufmerksamkeit zu und unterschiedliche Arbeitsgruppen forschen aktiv an Therapiemöglichkeiten.
Die Behandlung von ME/CFS-Patienten konzentriert sich aktuell darauf, Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern, Verschlechterungen zu vermeiden, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und auch die individuellen Belastungsgrenzen zu respektieren.
Dabei gibt es nicht den einen Ansatz, der für alle Betroffenen angewendet wird. Die Vorgehensweise richtet sich stets nach dem Beschwerdebild der Patienten.
Pacing: Die wichtigste Strategie bei ME/CFS
Einer der wichtigsten Ansätze für ME/CFS-Betroffene ist das sogenannte "Pacing". Diese Strategie bezieht sich vor allem auf PEM, also die verzögert eintretende und oft schwerwiegende Zustandsverschlechterung nach Belastungen. Mit dem Pacing soll der sogenannte "Crash", also die völlige körperliche Erschöpfung verhindert werden.
Beim Pacing planen Betroffene ihren Alltag und ihre Aktivitäten so, dass die persönliche Belastungsgrenze nicht überschritten wird. Am besten funktioniert dies, indem Belastungen vermieden werden, oder, sofern eine Vermeidung nicht möglich ist, Aufgaben (z. B. Einkäufe, Körperpflege) an andere Personen wie Familie, Freunde oder Pflegepersonal abgegeben werden.
Wichtig ist bei dieser Strategie vor allem die eigene Wahrnehmung und Disziplin. Betroffene müssen früh genug erkennen, wann sich ein Crash andeutet, und sofort Maßnahmen ergreifen, um keinen völligen Zusammenbruch zu riskieren.
Bei der Umsetzung des Pacing kann eine Ergotherapie unterstützen. Die Fachkräfte helfen dabei, Tagesabläufe sinnvoll zu strukturieren, Aktivitäten energiesparend durchzuführen, Wohnraum anzupassen oder auch Hilfsmittel zu erhalten. Dies kann eine sinnvolle Unterstützung sein, um mit der Pacing-Methode nicht alleine dazustehen.
FlixTipp:
Die Open Medicine Foundation hat einen Leitfaden zur Vermeidung von PEM erstellt. Dieser liefert Dir noch tiefergehende Anweisungen, die Dir dabei helfen, einen Crash zu vermeiden. Zur deutschen Übersetzung gelangst Du über den Button!
Medikamente zur Behandlung von ME/CFS gibt es aktuell nicht. Ärzte können jedoch je nach Krankheitsbild Medikamente im Off-Lable-Use verschreiben. Das bedeutet, dass Medikamente eingesetzt werden, die helfen können, jedoch ursprünglich zur Behandlung anderer Krankheiten zugelassen wurden. Außerdem besteht die Möglichkeit, durch unterschiedliche Schmerzmittel physische Schmerzen zu lindern. Dies sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
Medikamente und weitere Maßnahmen können auch eingesetzt werden, um das Symptom der Schlafprobleme zu lindern. Dies ist besonders wichtig, da erholsamer Schlaf zum allgemeinen Wohlbefinden der Betroffenen beitragen kann.
Leiden Betroffene unter orthostatischer Intoleranz, also Kreislaufproblemen, können je nach Ausprägung folgende Strategien helfen, um das Symptom zu lindern:
ausreichende Flüssigkeitszufuhr
erhöhte Salzaufnahme nach ärztlicher Rücksprache
Kompressionsstrümpfe
Vermeidung langen Stehens
individuell angepasste medikamentöse Behandlung
Wie oben bereits erwähnt, tritt ME/CFS häufig mit Begleiterkrankungen auf. Um den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern, ist es natürlich hilfreich, diese Erkrankungen, sofern möglich, zu behandeln. Dies bedeutet eine allgemein geringere Belastung.
Eine individuell angepasste Physiotherapie kann zudem dabei helfen, Bewegungsabläufe zu optimieren, Fehlhaltungen zu vermeiden und die allgemeine Mobilität zu fördern. Dies ist vor allem wichtig, da Betroffene aufgrund der Schmerzen unter Umständen in eine Schonhaltung verfallen können und der Körper durch das lange Liegen im Bett belastet wird. Wichtig bei der Physiotherapie ist jedoch, dass sie stark angepasst und nur im Rahmen der Belastungstoleranz durchgeführt wird.
Während die bisherigen Ansätze auf die physische Komponente abzielen, sollte bei ME/CFS auch die Psyche nicht außer Acht gelassen werden. Betroffene sind häufig zusätzlich belastet durch soziale Isolation, berufliche Perspektivlosigkeit, finanzielle Sorgen und die allgemeine Veränderung von Beziehungen. Eine Psychotherapie kann ME/CFS zwar nicht heilen, kann jedoch dazu beitragen, Betroffene mental zu stärken.
Nicht zuletzt sollten Betroffene sich immer auch über Hilfsmittel informieren. Diese können je nach Beschwerdebild dabei helfen, Kräfte einzusparen und damit die Gefahr eines möglichen Crashs zu verhindern. Sie machen den Alltag leichter und ermöglichen mitunter auch wieder einen größeren Bewegungsradius. In Frage kommen zum Beispiel:
Duschstühle
Greifhilfen
Rollatoren
Treppenhilfen
höhenverstellbare Möbel
elektrische Rollstühle
Hilfe für ME/CFS-Betroffene
Dass es keine Heilung und keine zuverlässigen Therapiemöglichkeiten gibt, kann für ME/CFS-Betroffene eine starke Belastung darstellen. Doch auch, wenn es derzeit keine Heilung für die Erkrankung gibt, haben sich inzwischen viele Anlaufstellen gebildet, die Betroffene von ME/CFS unterstützen – durch Beratungsangebote, Selbsthilfegruppen und mehr. Wenn Du selbst auf der Suche nach Unterstützung bist, schaue Dir gerne unsere Liste mit Anlaufstellen an:
Was ebenfalls helfen kann, sind Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen. Sie können Mut machen und gleichzeitig verdeutlichen, dass man nicht alleine ist. Außerdem geht jede betroffene Person anders mit der Erkrankung um, sodass Erfahrungsberichte mitunter auch gute Tipps und neue Ansätze liefern können.
Im Folgenden findest Du einen Erfahrungsbericht von Daria, die mit Mitte 30 die Diagnose ME/CFS erhielt.
Erfahrungsbericht über das Leben mit ME/CFS und Rollstuhl
Daria lebt mit ME/CFS. Über mehrere Jahre konnte sie sich maximal 15 Minuten am Tag bewegen. „In dieser kurzen Zeit musste alles erledigt werden – vom Weg zum Briefkasten bis zum kurzen Gang in die Küche", berichtet Daria. Für zusätzliche Aktivitäten wie den Hundespaziergang oder das Einkaufen blieben keine Energiereserven. Riskierte Daria es dennoch, folgte häufig ein Crash, von dem sie sich mehrere Tage lang erholen musste.
Auch wenn Daria sich zunächst nicht vorstellen konnte, mit Mitte 30 bereits einen Rollstuhl zu nutzen, hat sie sich zwei Jahre nach der Diagnose dennoch für ein Hilfsmittel entschieden. Nun begleitet sie der ergoflix® LX im Alltag. Seitdem kann Daria wieder selbständig einkaufen, Runden mit ihrem Hund drehen und mehr am sozialen Leben teilnehmen – alles natürlich im Rahmen ihrer Belastungstoleranz. „Der ergoflix ist wie mein externer Akku", sagt die ME/CFS-Patientin. Das bedeutet gleichzeitig, dass der faltbare E-Rollstuhl sie beim Pacing unterstützt, indem sie für viele Aktivitäten deutlich weniger Energie aufwenden muss. Daria sagt: „Ein ergoflix ist Pacing in Reinform für mich.“
FlixTipp:
Der ergoflix® LX ist von der Krankenkasse bezuschussbar. Wenn Du ebenfalls auf der Suche nach einer Mobilitätshilfe bist, hast Du die Möglichkeit, mit einem Krankenkassenzuschuss einen Großteil der Kosten zu sparen. Das Krankenkassenmanagement von ergoflix unterstützt Dich gerne.
Zwar erfordert das Leben mit ME/CFS weiterhin viel Achtsamkeit, aber ihr ergoflix hat Daria das Vertrauen zurückgegeben, dass sie ihren Alltag wieder aktiver gestalten kann: „Ein großer Traum ist es, irgendwann mal wieder in meine zweite Heimat nach Sizilien zu fliegen. Dass die faltbaren Elektrorollstühle von ergoflix flugtauglich sind und unkompliziert mit an Bord genommen werden können, macht diesen Wunsch zu einem greifbaren Ziel“, schaut sie zuversichtlich nach vorne.
Fazit
ME/CFS ist eine schwere chronische Multisystemerkrankung, die weit über Müdigkeit hinausgeht. Vor allem das Leitsymptom Post-Exertional Malaise (PEM) stellt Betroffene täglich vor große Herausforderungen, da es nach zu großer Belastung einen vollkommenen Crash auslösen kann. Obwohl die Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind und es bislang keine Heilung gibt, können Pacing, symptomorientierte Therapien und geeignete Hilfsmittel dabei helfen, die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern.
FAQ
Welche Symptome sind typisch für ME/CFS?
Typische Symptome von ME/CFS sind eine starke Erschöpfung (Fatigue), die sich nicht durch Schlaf bessert, die belastungsbedingte Zustandsverschlechterung (Post-Exertional Malaise), Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schwindel sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.
Was sind die Auslöser von ME/CFS?
Die genauen Ursachen für ME/CFS sind wissenschaftlich noch nicht erforscht. Zu den häufigsten Auslösern von ME/CFS zählen Virusinfektionen wie COVID-19, Influenza oder das Epstein-Barr-Virus.
Wann tritt ME/CFS nach Corona auf?
ME/CFS kann nach einer Corona-Infektion entstehen, wenn Beschwerden wie Fatigue, Belastungsintoleranz und PEM über Monate anhalten. Die Symptome entwickeln sich meist im Rahmen eines Long-COVID-Syndroms.
Wie wird ME/CFS diagnostiziert?
ME/CFS wird anhand typischer Symptome, insbesondere der Post-Exertional Malaise, sowie durch den Ausschluss anderer Erkrankungen diagnostiziert. Einen eindeutigen Labortest gibt es aktuell noch nicht.
Ist ME/CFS heilbar?
Derzeit gibt es keine Heilung für ME/CFS. Die Behandlung konzentriert sich darauf, Symptome zu lindern und die eigenen Belastungsgrenzen einzuhalten.
Was bedeutet Pacing bei ME/CFS?
Pacing bedeutet, die verfügbare Energie bewusst einzuteilen und Überlastungen zu vermeiden. Ziel ist es, sogenannte Crashes und eine Verschlechterung der Symptome zu verhindern.
Welche Klinik behandelt ME/CFS?
ME/CFS wird vor allem in spezialisierten neurologischen, immunologischen oder Fatigue-Ambulanzen behandelt. Da das Versorgungsangebot begrenzt ist, erfolgt die Betreuung häufig durch mehrere Fachrichtungen.
Warum nutzen manche Menschen mit ME/CFS einen Rollstuhl?
Menschen mit ME/CFS nutzen einen Rollstuhl oft, um Energie zu sparen und ihre begrenzten Kraftreserven gezielt einzusetzen. Der Rollstuhl dient dabei häufig als Hilfsmittel für das Energiemanagement und die Teilhabe am Alltag.
ME/CFS ist eine neurologische Multisystemerkrankung, die den gesamten Organismus betreffen kann. Betroffene leiden häufig unter schwersten körperlichen Einschränkungen, sodass allein ein kleiner Spaziergang oder das tägliche Duschen dazu führen können, dass sie danach tagelang das Bett nicht mehr verlassen können. Warum ME/CFS nicht allein ein Erschöpfungszustand ist, welche Ursachen bekannt und welche Therapien möglich sind, erfährst Du in diesem Blogbeitrag.
Das Wichtigste in Kürze
• ME/CFS ist eine schwere chronische Erkrankung, deren Leitsymptom die Post-Exertional Malaise (PEM) ist, also eine deutliche Verschlechterung der Symptome nach Belastung.
• Die Diagnose ME/CFS erfolgt anhand typischer Symptome und durch den Ausschluss anderer Erkrankungen, da es bisher keinen eindeutigen Test für ME/CFS gibt. • Pacing und energiesparende Hilfsmittel wie E-Rollstühle können Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen und Zusammenbrüche zu vermeiden.
Was ist ME/CFS?
ME/CFS (lang: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) zählt zu den neurologischen Erkrankungen und ist seit 1969 offiziell von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als solche definiert. Doch auch, wenn die Bezeichnung "Fatigue-Syndrom" vermuten lassen könnte, dass es sich dabei um eine anhaltende Müdigkeit handelt, ist ME/CFS weit mehr als das. Die neurologische Erkrankung kann unter anderem
Nervensystem
Immunsystem
Herz-Kreislauf-System
Stoffwechsel
Hormonhaushalt
Energiebereitstellung der Zellen
betreffen. Dies führt bei den Betroffenen dazu, dass sie sowohl körperlich als auch geistig einer schwerwiegenden Störung der Belastbarkeit ausgesetzt sind. Das meint: Sie sind in einem massiven Ausmaß weniger belastbar als gesunde Menschen.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, betrifft häufiger Frauen als Männer und tritt meistens nach einer Virusinfektion auf (postviral).
Symptome von ME/CFS
Die Symptome von ME/CFS sind vielfältig und nicht jede betroffene Person hat alle bzw. die gleichen Symptome. Die häufigsten Symptome von ME/CFS sind:
Fatigue
Leiden betroffene von ME/CFS an Fatigue, ist das weit mehr als eine klassische Müdigkeit. Es ist ein Zustand der dauerhaften Erschöpfung, der auch durch Schlaf nicht bedeutend besser wird. Außerdem nimmt sowohl die körperliche als auch die mentale Belastbarkeit stark ab.
Brain Fog
Beim sogenannten Brain Fog treten kognitive Einschränkungen auf. Diese äußern sich vor allem in folgenden Symptomen:
Konzentrationsprobleme
Wortfindungsstörungen
Gedächtnisprobleme
verlangsamtes Denken
Schwierigkeiten bei mehreren Aufgaben gleichzeitig
Schmerzen
Physische Schmerzen zählen ebenfalls zu den häufigen Symptomen von ME/CFS. Diese spüren Betroffene häufig in den Gelenken, in Kopf und Nacken sowie in den Muskeln. Außerdem kann an unterschiedlichen Stellen des Körpers eine allgemeine Druckempfindlichkeit auftreten, die ebenfalls zu Schmerzen führt.
Schlafstörungen
Viele von ME/CFS Betroffene verbringen viel Zeit im Bett, um sich auszuruhen. Das heißt jedoch nicht, dass sie die ganze Zeit schlafen. Denn häufig treten sowohl Probleme beim Einschlafen als auch beim Durchschlafen auf. Außerdem fühlen sich viele Betroffene nach dem Schlaf nicht erholt und ausgeschlafen. Dies kann wiederum zur Folge haben, dass ich das Tag-Nacht-Rhythmus stark verschiebt.
Post-Exertional Malaise (PEM)
Post-Exertional Malaise ist kein klassisches Symptom von ME/CFS, sondern ein Merkmal, welches sich auf die oben genannten Symptome auswirkt.
Bei PEM handelt es sich um eine verzögert eintretende und oft schwerwiegende Zustandsverschlechterung nach Belastungen. Die Belastung muss dabei nicht zwingend körperlicher Natur sein, sie kann auch geistig oder emotional verursacht sein.
Bereits das Lesen einer längeren E-Mail, ein Arzttermin oder ein kurzes Treffen mit Freunden können ausreichend sein, um PEM hervorzurufen. Typisch ist, dass die Verschlechterung erst Stunden oder teilweise Tage nach der Belastung auftritt. Die Erholung kann Tage, Wochen oder Monate dauern.
PEM gilt heute als eines der wichtigsten diagnostischen Merkmale von ME/CFS.
Gut zu wissen:
Nicht nur nach Belastungen können die Beschwerden zunehmen. Bei vielen Betroffenen zeigt sich eine Verschlechterung auch im Sitzen und Stehen. Dann spricht man von einer sogenannten „orthostatischen Intoleranz". Diese äußert sich zum Beispiel in: Schwindel, Herzrasen, Benommenheit, Ohnmachtsgefühl.
Ursachen von ME/CFS
Bis heute ist nicht eindeutig erforscht, wodurch ME/CFS entsteht. Die Forschenden gehen davon aus, dass die biologische Erkrankung unterschiedliche Systeme des Körpers betrifft.
Was man schon weiß, ist, dass ME/CFS häufig nach viralen Infektionen auftritt, weshalb man von einer postviralen Erkrankung spricht. Häufig vorangehende Infektionen sind:
Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber)
Influenza
COVID-19 (Long Covid)
Besonders Long Covid ist in den vergangenen Jahren nach der Corona-Pandemie mehr in den Fokus gerückt. Die Betroffenen leiden Wochen oder Monate nach Beginn der Infektion noch an Symptomen, was sich mitunter zu einer chronischen Erkrankung entwickeln kann. In unterschiedlichen Studien ist zu erkennen, dass nach einem halben Jahr Erkrankungsdauer ungefähr die Hälfte der Long-Covid-Erkrankten die Diagnosekriterien für ME/CFS erfüllen (Quelle: Dehlia & Gutrigde, 2024). Müdigkeit, Schlafstörungen und Muskel-/Gelenkschmerzen waren dabei die häufigsten Symptome. Auch unter PEM leiden viele Long-Covid-Patienten.
Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V. berichtet außerdem von weiteren Forschungsergebnissen, im Rahmen derer „viele pathophysiologische Auffälligkeiten für die Krankheit festgestellt [wurden], die z. T. mehrfach bestätigt werden konnten". Sie berichten unter anderem von:
einer veränderten Form sowie verminderten Verformbarkeit der roten Blutkörperchen, was die Mikrozirkulation des Blutes negativ beeinflusst
einem verminderten Blutfluss auch im Gehirn, der zu einer Minderversorgung der Organe und Muskulatur führen kann
einer eingeschränkten systemischen Sauerstoffversorgung, die durch einen Laktatanstieg im Liquor (das zentrale Nervensystem umgebende Nervenwasser) sowie eine verminderte Aufnahme von Glukose im Gehirn festgestellt wurde
Bis Betroffene die Diagnose ME/CFS erhalten, vergeht in der Regel viel Zeit und es sind einige Besuche bei Ärzten nötig. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es keine Labortests, Blutwerte oder bildgebende Verfahren zum Nachweis der Erkrankung gibt, dass die Symptome häufig unspezifisch sind und vor einer Diagnosestellung andere Krankheiten ausgeschlossen werden müssen. So sind zum Beispiel Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Schlafprobleme oder Schmerzen zunächst unspezifische Beschwerden, die grundsätzlich auch bei anderen Krankheitsbildern vorkommen.
Kanadische Konsenskriterien
Seit 2003 werden international zur Diagnosestellung von ME/CFS die Kanadischen Konsenskriterien herangezogen. Dabei werden Symptome in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt und anschließend bewertet.
1. Erschöpfung/Fatigue und Zustandsverschlechterung nach Belastung
deutliches Ausmaß einer neu aufgetretenen, anderweitig nicht erklärbaren, andauernden körperlichen oder mentalen Erschöpfung, die zu einer erheblichen Reduktion des Aktivitätsniveaus führt
Erschöpfung, Verstärkung des schweren Krankheitsgefühls und/oder Schmerzen nach Belastung mit einer verzögerten Erholungsphase (meist mehr als 24 Stunden, kann Tage dauern)
Die Symptome können durch jede Art von körperlicher oder mentaler Anstrengung oder Stress verschlechtert werden.
2. Schlafstörungen
Einschlafstörungen
Durchschlafstörungen
Veränderter Tag-Nacht-Rhythmus
Schlaf führt zu keiner Erholung
3. Schmerzen
Gelenkschmerzen
Muskelschmerzen
Kopfschmerzen
4. Neurologische/Kognitive Manifestation
Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses
Schwierigkeiten mit der Informationsverarbeitung
Wortfindungsstörungen
Lesestörungen
Wahrnehmungs- und Sinnesstörungen
Desorientierung oder Verwirrung
Bewegungskoordinationsstörungen
Es kommt zu Überlastungserscheinungen (Rückfälle und/oder Ängste) durch: zu viele Informationen, zu viele Sinneseindrücke (z. B. Licht, Lärm), zu viel Stress
5. Autonome Manifestation
Schnelle Lagewechsel (v. a. Liegen zum Stehen) führen zu Schwindel und/oder „Schwarzwerden vor Augen”.
Gewichtsabnahme Stress ist schlechter zu verarbeiten
Stress führt zu einer Verstärkung der Erschöpfung und emotionaler Unsicherheit.
7. Immunologische Manifestationen
schmerzhafte Lymphknoten
wiederkehrende Halsschmerzen
neue Allergien / bereits bestehende Allergien haben sich verändert
Grippe-ähnliche Symptome oder allgemeines Krankheitsgefühl
Überempfindlichkeit, Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Chemikalien
Die Auswertung dieser Kriterien folgt einer genauen Vorgabe:
Die Erkrankung muss für mindestens 6 Monaten bestehen, um ME/CFS von einer postinfektiösen Fatigue abzugrenzen. Für die Diagnose ME/CFS müssen außerdem folgende Kriterien der oben aufgeführten Kategorien erfüllt sein:
alle unter 1. Erschöpfung/Fatigue und Zustandsverschlechterung nach Belastung
mindestens eines unter 2. Schlafstörungen
mindestens eines unter 3. Schmerzen
mindestens zwei unter 4. Neurologische/Kognitive Manifestationen
eins oder mehrere Symptome von mindestens zwei der Kategorien 5. Autonome, 6. Neuroendokrine und 7. Immunologische Manifestationen.
FlixTipp:
Die Kanadischen Konsenskriterien findest Du als Fragebogen zum Ausfüllen bei dem Charité Fatigue Centrum.
Zusätzlich zu den Kanadischen Konsenskriterien spielt die Ausschlussdiagnostik eine wichtige Rolle bei der Diagnose von ME/CFS. Dabei soll festgestellt werden, ob eine andere Erkrankung die Beschwerden erklären könnte.
Je nach individueller Symptomatik können unter anderem folgende Untersuchungen erfolgen:
Blutuntersuchungen
Schilddrüsendiagnostik
Kontrolle des Eisen-, Vitamin- und Hormonstatus
Herz-Kreislauf-Untersuchungen
Schlafdiagnostik
neurologische Untersuchungen
rheumatologische Untersuchungen
Diese können dabei helfen, andere Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome wie ME/CFS aufweisen können (Differentialdiagnose). Das Charité Fatigue Centrum führt folgende Krankheiten als Differentialdiagnosen auf:
Undifferenzierte Kollagenose/PMR/ Sjögren-Syndrom
Fibromyalgie*
M. Bechterew/ Psoriasisarthritis
Hashimoto- Thyreoiditis*
Endometriose*
Tumorfatigue
Chronische Hepatitiden
Lyme-Borreliose
CED, Zöliakie
Reizdarm Syndrom*
PBC/PSC
HWS-Spinalstenosen/ Instabilität*
Myasthenia gravis
Multiple Sklerose
Gut zu wissen:
Das Vorliegen einer anderen Erkrankung schließt ME/CFS nicht grundsätzlich aus. Viele Betroffene leben zusätzlich mit weiteren Erkrankungen oder Begleiterkrankungen, die ebenfalls behandelt werden müssen (Komorbidität).
Therapie und Behandlung von ME/CFS
Nach aktuellem Stand der Medizin ist ME/CFS nicht heilbar und es gibt keine wissenschaftlich fundierten Behandlungsmöglichkeiten. Jedoch kommt der Erkrankung inzwischen eine größere Aufmerksamkeit zu und unterschiedliche Arbeitsgruppen forschen aktiv an Therapiemöglichkeiten.
Die Behandlung von ME/CFS-Patienten konzentriert sich aktuell darauf, Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern, Verschlechterungen zu vermeiden, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und auch die individuellen Belastungsgrenzen zu respektieren.
Dabei gibt es nicht den einen Ansatz, der für alle Betroffenen angewendet wird. Die Vorgehensweise richtet sich stets nach dem Beschwerdebild der Patienten.
Pacing: Die wichtigste Strategie bei ME/CFS
Einer der wichtigsten Ansätze für ME/CFS-Betroffene ist das sogenannte "Pacing". Diese Strategie bezieht sich vor allem auf PEM, also die verzögert eintretende und oft schwerwiegende Zustandsverschlechterung nach Belastungen. Mit dem Pacing soll der sogenannte "Crash", also die völlige körperliche Erschöpfung verhindert werden.
Beim Pacing planen Betroffene ihren Alltag und ihre Aktivitäten so, dass die persönliche Belastungsgrenze nicht überschritten wird. Am besten funktioniert dies, indem Belastungen vermieden werden, oder, sofern eine Vermeidung nicht möglich ist, Aufgaben (z. B. Einkäufe, Körperpflege) an andere Personen wie Familie, Freunde oder Pflegepersonal abgegeben werden.
Wichtig ist bei dieser Strategie vor allem die eigene Wahrnehmung und Disziplin. Betroffene müssen früh genug erkennen, wann sich ein Crash andeutet, und sofort Maßnahmen ergreifen, um keinen völligen Zusammenbruch zu riskieren.
Bei der Umsetzung des Pacing kann eine Ergotherapie unterstützen. Die Fachkräfte helfen dabei, Tagesabläufe sinnvoll zu strukturieren, Aktivitäten energiesparend durchzuführen, Wohnraum anzupassen oder auch Hilfsmittel zu erhalten. Dies kann eine sinnvolle Unterstützung sein, um mit der Pacing-Methode nicht alleine dazustehen.
FlixTipp:
Die Open Medicine Foundation hat einen Leitfaden zur Vermeidung von PEM erstellt. Dieser liefert Dir noch tiefergehende Anweisungen, die Dir dabei helfen, einen Crash zu vermeiden. Zur deutschen Übersetzung gelangst Du über den Button!
Medikamente zur Behandlung von ME/CFS gibt es aktuell nicht. Ärzte können jedoch je nach Krankheitsbild Medikamente im Off-Lable-Use verschreiben. Das bedeutet, dass Medikamente eingesetzt werden, die helfen können, jedoch ursprünglich zur Behandlung anderer Krankheiten zugelassen wurden. Außerdem besteht die Möglichkeit, durch unterschiedliche Schmerzmittel physische Schmerzen zu lindern. Dies sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
Medikamente und weitere Maßnahmen können auch eingesetzt werden, um das Symptom der Schlafprobleme zu lindern. Dies ist besonders wichtig, da erholsamer Schlaf zum allgemeinen Wohlbefinden der Betroffenen beitragen kann.
Leiden Betroffene unter orthostatischer Intoleranz, also Kreislaufproblemen, können je nach Ausprägung folgende Strategien helfen, um das Symptom zu lindern:
ausreichende Flüssigkeitszufuhr
erhöhte Salzaufnahme nach ärztlicher Rücksprache
Kompressionsstrümpfe
Vermeidung langen Stehens
individuell angepasste medikamentöse Behandlung
Wie oben bereits erwähnt, tritt ME/CFS häufig mit Begleiterkrankungen auf. Um den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern, ist es natürlich hilfreich, diese Erkrankungen, sofern möglich, zu behandeln. Dies bedeutet eine allgemein geringere Belastung.
Eine individuell angepasste Physiotherapie kann zudem dabei helfen, Bewegungsabläufe zu optimieren, Fehlhaltungen zu vermeiden und die allgemeine Mobilität zu fördern. Dies ist vor allem wichtig, da Betroffene aufgrund der Schmerzen unter Umständen in eine Schonhaltung verfallen können und der Körper durch das lange Liegen im Bett belastet wird. Wichtig bei der Physiotherapie ist jedoch, dass sie stark angepasst und nur im Rahmen der Belastungstoleranz durchgeführt wird.
Während die bisherigen Ansätze auf die physische Komponente abzielen, sollte bei ME/CFS auch die Psyche nicht außer Acht gelassen werden. Betroffene sind häufig zusätzlich belastet durch soziale Isolation, berufliche Perspektivlosigkeit, finanzielle Sorgen und die allgemeine Veränderung von Beziehungen. Eine Psychotherapie kann ME/CFS zwar nicht heilen, kann jedoch dazu beitragen, Betroffene mental zu stärken.
Nicht zuletzt sollten Betroffene sich immer auch über Hilfsmittel informieren. Diese können je nach Beschwerdebild dabei helfen, Kräfte einzusparen und damit die Gefahr eines möglichen Crashs zu verhindern. Sie machen den Alltag leichter und ermöglichen mitunter auch wieder einen größeren Bewegungsradius. In Frage kommen zum Beispiel:
Duschstühle
Greifhilfen
Rollatoren
Treppenhilfen
höhenverstellbare Möbel
elektrische Rollstühle
Hilfe für ME/CFS-Betroffene
Dass es keine Heilung und keine zuverlässigen Therapiemöglichkeiten gibt, kann für ME/CFS-Betroffene eine starke Belastung darstellen. Doch auch, wenn es derzeit keine Heilung für die Erkrankung gibt, haben sich inzwischen viele Anlaufstellen gebildet, die Betroffene von ME/CFS unterstützen – durch Beratungsangebote, Selbsthilfegruppen und mehr. Wenn Du selbst auf der Suche nach Unterstützung bist, schaue Dir gerne unsere Liste mit Anlaufstellen an:
Was ebenfalls helfen kann, sind Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen. Sie können Mut machen und gleichzeitig verdeutlichen, dass man nicht alleine ist. Außerdem geht jede betroffene Person anders mit der Erkrankung um, sodass Erfahrungsberichte mitunter auch gute Tipps und neue Ansätze liefern können.
Im Folgenden findest Du einen Erfahrungsbericht von Daria, die mit Mitte 30 die Diagnose ME/CFS erhielt.
Erfahrungsbericht über das Leben mit ME/CFS und Rollstuhl
Daria lebt mit ME/CFS. Über mehrere Jahre konnte sie sich maximal 15 Minuten am Tag bewegen. „In dieser kurzen Zeit musste alles erledigt werden – vom Weg zum Briefkasten bis zum kurzen Gang in die Küche", berichtet Daria. Für zusätzliche Aktivitäten wie den Hundespaziergang oder das Einkaufen blieben keine Energiereserven. Riskierte Daria es dennoch, folgte häufig ein Crash, von dem sie sich mehrere Tage lang erholen musste.
Auch wenn Daria sich zunächst nicht vorstellen konnte, mit Mitte 30 bereits einen Rollstuhl zu nutzen, hat sie sich zwei Jahre nach der Diagnose dennoch für ein Hilfsmittel entschieden. Nun begleitet sie der ergoflix® LX im Alltag. Seitdem kann Daria wieder selbständig einkaufen, Runden mit ihrem Hund drehen und mehr am sozialen Leben teilnehmen – alles natürlich im Rahmen ihrer Belastungstoleranz. „Der ergoflix ist wie mein externer Akku", sagt die ME/CFS-Patientin. Das bedeutet gleichzeitig, dass der faltbare E-Rollstuhl sie beim Pacing unterstützt, indem sie für viele Aktivitäten deutlich weniger Energie aufwenden muss. Daria sagt: „Ein ergoflix ist Pacing in Reinform für mich.“
FlixTipp:
Der ergoflix® LX ist von der Krankenkasse bezuschussbar. Wenn Du ebenfalls auf der Suche nach einer Mobilitätshilfe bist, hast Du die Möglichkeit, mit einem Krankenkassenzuschuss einen Großteil der Kosten zu sparen. Das Krankenkassenmanagement von ergoflix unterstützt Dich gerne.
Zwar erfordert das Leben mit ME/CFS weiterhin viel Achtsamkeit, aber ihr ergoflix hat Daria das Vertrauen zurückgegeben, dass sie ihren Alltag wieder aktiver gestalten kann: „Ein großer Traum ist es, irgendwann mal wieder in meine zweite Heimat nach Sizilien zu fliegen. Dass die faltbaren Elektrorollstühle von ergoflix flugtauglich sind und unkompliziert mit an Bord genommen werden können, macht diesen Wunsch zu einem greifbaren Ziel“, schaut sie zuversichtlich nach vorne.
Fazit
ME/CFS ist eine schwere chronische Multisystemerkrankung, die weit über Müdigkeit hinausgeht. Vor allem das Leitsymptom Post-Exertional Malaise (PEM) stellt Betroffene täglich vor große Herausforderungen, da es nach zu großer Belastung einen vollkommenen Crash auslösen kann. Obwohl die Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind und es bislang keine Heilung gibt, können Pacing, symptomorientierte Therapien und geeignete Hilfsmittel dabei helfen, die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern.
FAQ
Welche Symptome sind typisch für ME/CFS?
Typische Symptome von ME/CFS sind eine starke Erschöpfung (Fatigue), die sich nicht durch Schlaf bessert, die belastungsbedingte Zustandsverschlechterung (Post-Exertional Malaise), Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schwindel sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.
Was sind die Auslöser von ME/CFS?
Die genauen Ursachen für ME/CFS sind wissenschaftlich noch nicht erforscht. Zu den häufigsten Auslösern von ME/CFS zählen Virusinfektionen wie COVID-19, Influenza oder das Epstein-Barr-Virus.
Wann tritt ME/CFS nach Corona auf?
ME/CFS kann nach einer Corona-Infektion entstehen, wenn Beschwerden wie Fatigue, Belastungsintoleranz und PEM über Monate anhalten. Die Symptome entwickeln sich meist im Rahmen eines Long-COVID-Syndroms.
Wie wird ME/CFS diagnostiziert?
ME/CFS wird anhand typischer Symptome, insbesondere der Post-Exertional Malaise, sowie durch den Ausschluss anderer Erkrankungen diagnostiziert. Einen eindeutigen Labortest gibt es aktuell noch nicht.
Ist ME/CFS heilbar?
Derzeit gibt es keine Heilung für ME/CFS. Die Behandlung konzentriert sich darauf, Symptome zu lindern und die eigenen Belastungsgrenzen einzuhalten.
Was bedeutet Pacing bei ME/CFS?
Pacing bedeutet, die verfügbare Energie bewusst einzuteilen und Überlastungen zu vermeiden. Ziel ist es, sogenannte Crashes und eine Verschlechterung der Symptome zu verhindern.
Welche Klinik behandelt ME/CFS?
ME/CFS wird vor allem in spezialisierten neurologischen, immunologischen oder Fatigue-Ambulanzen behandelt. Da das Versorgungsangebot begrenzt ist, erfolgt die Betreuung häufig durch mehrere Fachrichtungen.
Warum nutzen manche Menschen mit ME/CFS einen Rollstuhl?
Menschen mit ME/CFS nutzen einen Rollstuhl oft, um Energie zu sparen und ihre begrenzten Kraftreserven gezielt einzusetzen. Der Rollstuhl dient dabei häufig als Hilfsmittel für das Energiemanagement und die Teilhabe am Alltag.
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