
Die eigenen vier Wände. Ein vertrauter Rückzugsort, an dem man sich wohlfühlt – und mit dem man viele, zum Teil sehr schöne Erinnerungen verbindet. Umso schwerer fällt es, wenn man diesen Ort irgendwann mal alters- oder krankheitsbedingt verlassen muss, da man auf die Hilfe und Betreuung Anderer angewiesen ist. Schnell stellt sich die große Frage: Wie geht es nun weiter?
In manchen Fällen besteht die Möglichkeit, in der eigenen Familie unterzukommen – z.B. im Haus des Sohnes oder der Tochter. Doch nicht jeder hat diese Option. Selbst wenn, herrscht schnell ein gewisses Unbehagen – schließlich will man den Menschen, die man liebt, nur ungern zur Last fallen. Zum Glück gibt es deutschlandweit rund 11.700 vollstationäre Altenheime und Pflegeheime.
Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Altersheim und einem Pflegeheim – und wie findest Du eine Einrichtung, die ideal zu Deinen persönlichen Bedürfnissen passt? Wir haben Dir die wichtigsten Punkte zusammengefasst.
Altersheim: Bietet eine Wohnumgebung für ältere Menschen, die noch viele Alltagsaktivitäten selbstständig meistern können und daher nur minimale Unterstützung und pflegerische Betreuung benötigen – z.B. bei Mahlzeiten, der Reinigung und Freizeitaktivitäten.
Pflegeheim: Bietet intensive pflegerische und medizinische Betreuung für Menschen aller Altersklassen, die aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen eine intensive Unterstützung und vollumfängliche pflegerische Betreuung benötigen – u.a. medizinische Pflege, Unterstützung bei der Körperpflege oder Mobilitätshilfe.
Um nun eine Einrichtung zu finden, die genau zu Deiner persönlichen Lebens- und Krankensituation passt, gehe am besten wie folgt vor:
Im ersten Schritt solltest Du herausfinden, auf welchen Pflegegrad Du angewiesen bist. Dabei gilt folgende Einteilung:
Die Einstufung erfolgt über den Medizinischen Dienst (MD) im Auftrag der Pflegekassen. Das heißt: Du musst zunächst einmal Kontakt zu Deiner Krankenkasse aufnehmen und dieser mitteilen, dass Du einen Antrag auf Pflegeleistungen stellenmöchtest. Deine Krankenkasse nimmt wiederrum Kontakt zur für Dich zuständigen Pflegekasse auf und unterstützt Dich beim weiteren Vorgehen.
Nach Antragsstellung beauftragt die Pflegekasse den MD oder einen anderen unabhängigen Gutachter mit der Begutachtung. Dieser kommt dann zu Dir nach Hause, um Deine Pflegebedürftigkeit zu beurteilen. Ist dies geschehen, erhältst Du einige Tage später einen Bescheid Deiner Pflegekasse, inklusive einer Übersicht der Dir zustehenden Pflegeleistungen.
Mache Dir ebenfalls Gedanken darüber, ob Du vollstationäre Pflege, teilstationäre Pflege (Tagespflege) oder ambulante Pflege benötigst. Sprich dazu nicht nur mit Deinen Ansprechpartnern der Krankenkasse und der Pflegekasse, sondern berate Dich auch mit Deiner Familie und beantwortet gemeinsam u.a. folgende Fragen:
Der nächste Schritt, um ein passendes Altersheim oder Pflegeheim zu finden, ist die Recherche nach Einrichtungen, die zu Deinen Bedürfnissen passen. Nutze dafür am besten verschiedene Informationsquellen wie z.B.:
Darüber hinaus lohnt es sich auch einen Blick auf die Website einer Einrichtung zu werfen, falls vorhanden. Hier kannst Du neben hilfreichen Informationen oftmals auch Fotos oder Videos finden. Und auch Google-Rezensionen können Dir bei der Entscheidungsfindung weiterhelfen.
Statte den Einrichtungen, die in die engere Auswahl kommen, einen persönlichen Besuch ab. Mache dafür am besten vorab telefonisch einen Besichtigungstermin aus. Vor Ort angekommen, kannst Du erste wertvolle Eindrücke sammeln und dir ein besseres Bild von der Gesamtsituation machen. Beispielsweise welche Atmosphäre dort herrscht und wie es um Themen wie Sauberkeit oder die Ausstattung und Größe der Zimmer bestellt ist.
Nutze den Besuch außerdem, um bei der Einrichtungsleitung oder dem Pflegepersonal alle Deine Fragen loszuwerden. Mache Dir dafür vorab ruhig ein paar Notizen, um keine wichtigen Punkte zu vergessen. Relevante Fragen könnten z.B. sein:
Manche Einrichtungen bieten sogar ein befristetes Probewohnen an. Erkundige Dich auch danach, falls es für Dich in Frage kommt.
Solltest Du Dich für eine Einrichtung entschieden und den Wohnvertrag erhalten haben, lies diesen in Ruhe und sorgfältig durch. Solltest Du etwas nicht verstehen oder das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt oder fehlt, dann setze Deinen Ansprechpartner der Einrichtung darüber in Kenntnis. Zusätzlich kannst Du Dir auch Beratung einholen. Beispielsweise bei Deiner Pflegekasse oder auch bei der für Deinen Wohnort zuständigen Verbraucherschutzzentrale. Letztere bietet eine umfassende Beratung in rechtlichen Fragen an und kann Dir bei der Überprüfung des Vertrages helfen.
Ein Altersheim oder ein Pflegeheim zu finden, das bestmöglich zu den eigenen Bedürfnissen passt, ist nicht einfach – doch zugleich ein existenziell wichtiger Schritt. Daher solltest Du Dir vor allem Zeit nehmen und strukturiert vorgehen. Welche vier Schritte es dabei zu beachten gilt, haben wir Dir zusammengefasst. Versuche sie so gut wie es geht abzuarbeiten und scheue Dich nicht, bei Unklarheiten Rat zu suchen. Neben Deiner Familie oder Freunden stehen Dir geschulte Ansprechpartner zu Verfügung, die Deine persönlichen Rückfragen beantworten und ihr wertvolles Wissen mit Dir teilen. Die wichtigsten Anlaufstellen sind Deine Krankenkasse, Deine Pflegekasse sowie Pflegestützpunkte in Deiner Nähe.
Nutze Internetportale und die Webseite einer Einrichtung, um Dir einen ersten Überblick des Leistungsangebotes zu machen und ggf. eine Vorauswahl zu treffen. Erst ein Vor-Ort-Besuch und der Austausch mit der Einrichtungsleitung oder dem Pflegepersonal vervollständigen Dein Bild und liefern Dir wertvolle Informationen für die finale Entscheidungsfindung.
