Mareen Autor
von:
Mareen Hebing
(zertifizierte Medizinprodukteberaterin)

Dekubitus Grad 4 – Definition, Beschreibung und Behandlung

2. Februar 2024
Lesezeit: 5 Minuten
Zuletzt aktualisiert am 20. Januar 2026
Dekubitus Grad 4

Starke Schmerzen, tiefe, nässende Wunden – bei diesen Symptomen kann es sich um einen Dekubitus Grad 4 und damit um die höchste der insgesamt vier Kategorien handeln. Betroffene sollten schnell ärztlichen Rat einholen und mit den richtigen Maßnahmen therapiert werden. Erfahre in diesem Beitrag mehr über das Druckgeschwür und erhalte Antworten auf folgende Fragen: „Was bedeutet Dekubitus Grad 4?“ und „Kann man einen Dekubitus Grad 4 heilen?“

Das Wichtigste in Kürze
• Eine häufig betroffene Region bei Dekubitus Grad 4 ist das Steißbein. 
• Die Dekubitus-Grad-4-Behandlung erfordert medizinisches Know-how und sollte immer von geschultem Personal vorgenommen werden.
• Ein Dekubitus Grad 4 kann geheilt werden, führt in seltenen Fällen jedoch auch zum Tod.

Was ist ein Dekubitus Grad 4?

Insgesamt gibt es vier verschiedene Dekubitus-Grade. Die ersten drei hast Du bereits kennengelernt. Gerne kannst Du noch einmal mehr darüber in den jeweiligen Artikeln nachlesen:

Bei einem Dekubitus Grad 4 leiden Betroffene unter einem vollständigen Verlust des Gewebes. Ebenso sind Schädigungen oder sogar Nekrosen darunterliegender Muskeln, Knochen, Knorpel, Sehnen, Faszien oder Gelenkkapseln möglich. Muskeln und Knochen können in diesem Stadium ertastet werden oder sind sogar sichtbar. Aufgrund des freiliegenden Gewebes kommt es häufig zu Entzündungen, die wiederum zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen können.

Gut zu wissen:
Bei Nekrosen handelt es sich um abgestorbene Zellen bzw. totes Gewebe, welches die Wundheilung behindern kann.

Wie entsteht ein Dekubitus Grad 4?

Dekubitus im Allgemeinen entsteht durch zu viel Druck auf eine Körperstelle. Betroffen sind vor allem immobile Personen, die beispielsweise im Rollstuhl sitzen, oder pflegebedürftige Menschen. Aber auch ein zu hohes Körpergewicht kann ausreichen, um die Sauerstoff- sowie Nährstoffversorgung des Gewebes zu behindern und dadurch ein Druckgeschwür auszulösen. Entscheidend sind hierbei die Stärke und die Dauer des Drucks. Aber auch eine Diabeteserkrankung kann die Wahrscheinlichkeit, an einem Dekubitus zu erkranken, erhöhen.

Betroffen sind meist Partien über Knochenvorsprüngen, da hier wenig Unterhautfettgewebe vorhanden ist und dies zu einem größeren Auflagedruck führt.

Wird das Dekubitalgeschwür spät erkannt oder der Betroffene nicht richtig behandelt, kann sich aus den vorherigen Stadien ein Dekubitus Grad 4, z. B. am Gesäß bzw. Steiß, entwickeln. Dies ist mit 40 Prozent übrigens der am häufigsten verbreitete Bereich, an dem Dekubitus entsteht. Weitere betroffene Bereiche sind u. a.:

  • Ellenbogen
  • Hinterkopf
  • Wirbelsäule
  • Ferse
  • Schulter

Wie behandelt man einen Dekubitus Grad 4?

Die Dekubitus-Grad-4-Wundversorgung sollte unbedingt von geschultem Personal durchgeführt werden, da es sich bei dieser Kategorie um eine chronische Wunde handelt, die für Patienten äußerst schmerzhaft ist.

Zunächst müssen geschädigte Bereiche entlastet werden. Dazu ist eine Umlagerung des Betroffenen notwendig. Im nächsten Schritt wird geschädigtes oder sogar ganz abgestorbenes Gewebe operativ entfernt. Je nach Ausprägung des Geschwürs kann eine Lappenplastik zur Defektdeckung infrage kommen. Hierbei wird (gesundes) Gewebe entnommen und an der geschädigten Körperregion platziert. Anschließend folgt die konservative Therapie, deren Ziel die Wiederherstellung intakter Haut ohne Narbengewebe bzw. die Schließung der Haut mit Narbengewebe ist.

Doch welche Wundauflage eignet sich bei Dekubitus Grad 4? Tiefe Wunden werden oft mit sogenannten Alginaten gefüllt. Diese nehmen Wundsekret optimal auf. Wie auch bei einem Dekubitus der Kategorie 3 kann die Wunde dann mit einer feuchten Auflage, die ein natürliches Hautmilieu schaffen soll, verschlossen werden. Feuchtigkeit dient dazu, den Heilungsprozess zu fördern und die Neubildung von Gewebe zu unterstützen.

Dekubitus-Heilung

Im Kontext der Behandlung kommt auch häufig die Frage nach der Heilung auf. Ein Dekubitus Grad 4 ist heilbar, dies bedarf jedoch medizinischem und pflegerischem Know-how sowie einer längeren Genesungsdauer als in den übrigen Kategorien. Selten werden Dekubituspatienten in diesem Stadium palliativ betreut, dennoch kann ein Dekubitus Grad 4 tödlich enden, z. B. aufgrund von Behandlungsfehlern. Wird die Wunde nicht richtig versorgt, können Keime eindringen, eine Sepsis induzieren und so die Lebenserwartung bei einem Dekubitus Grad 4 negativ beeinflussen. Solltest Du bei Dir oder einem Angehörigen eine solche Gefahr erkennen, suche umgehend einen Arzt auf und lasse Dich entsprechend behandeln.

Prophylaktische Maßnahmen

Da bei der Kategorie 4 eines Dekubitalgeschwürs bereits die Knochenhaut angegriffen und die Wunden entzündet sind, leiden Betroffene oft unter einer enormen Belastung – physisch, aber auch psychisch. Frühzeitige vorbeugende Maßnahmen sind notwendig, damit aus den vorherigen Stadien ebensolche Belastungen vermieden werden. Folgende Ansätze sind möglich:

  • Dekubitus-Risikoeinschätzung: Hierfür wird oft die Braden-Skala verwendet. Ist das Dekubitus-Risiko hoch, sollten Patienten verstärkt beobachtet werden.
  • Anpassung des Lebensstils: Hierzu gehören die Bewegungsförderung sowie eine gesunde Ernährung.
  • Hautpflege und Beobachtung: Es sollte regelmäßig überprüft werden, ob sich der Dekubitus der Kategorien 1, 2 oder 3 verschlimmert hat. Leiden Betroffene unter Inkontinenz, sollten diese fachgerecht gewaschen und gewickelt werden.
  • Umlagerung: Bettlägerige Personen sollten ca. alle ein bis zwei Stunden umgelagert werden. Hierfür gibt es in der Pflege passende Lagerungshilfen wie z. B. Anti-Dekubitus-Kissen. Aber auch Wechseldruckmatratzen bzw. Anti-Dekubitus-Matratzen wirken vorbeugend.
FlixTipp:
Rollstuhlfahrer können durch ein Anti-Dekubitus-Kissen einem Dekubitus Grad 4 entgegenwirken, denn spezielle Sitzunterlagen wirken druckentlastend. Lasse Dich bei Interesse in einem Sanitätshaus in Deiner Nähe beraten. Dort kannst Du das Kissen in der Regel direkt testen.

Fazit

In diesem Artikel hast Du mehr über die Beschreibung des Dekubitus Grad 4 kennengelernt. Hierbei handelt es sich um ein Druckgeschwür, das in dieser Kategorie bereits Knochen- oder auch Sehnenschäden verursacht hat.

Ein Dekubitus ist keine Todesursache. Vor allem die ersten beiden Kategorien sind gut behandelbar. Leidest Du unter einem Dekubitus dieser Kategorie, kann auch dieser geheilt werden. Um die Heilungschancen zu erhöhen, sollten jedoch umgehend Maßnahmen ergriffen und eine angepasste Therapie ausgewählt werden. Lasse Dich hierzu bitte von Deinem Arzt beraten.

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