MS-Rollstuhl: Wann ist ein Rollstuhl bei Multipler Sklerose sinnvoll?

Das Bild zeigt eine Szenerie in einem Restaurant, im Vordergrund sitzt eine Frau am Tisch, ein Mann sitzt neben ihr am Tisch in einem Elektrorollstuhl.

Mehr als 280.000 Menschen in Deutschland sind an Multiple Sklerose (MS) erkrankt (Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V., kurz: dmsg). Auch wenn nicht alle Erkrankten langfristig auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sind es immerhin mehr als 31 Prozent bei den über 60-jährigen Betroffenen, die ein solches Hilfsmittel dauerhaft benötigen. Grund dafür können besonders stark ausgeprägte Symptome wie Spastiken oder Gleichgewichtsstörungen sein. Ob für Dich ein Rollstuhl sinnvoll ist und was ein MS-Rollstuhl mitbringen sollte, erfährst Du in unserem Blogbeitrag.

Das Wichtigste in KĂĽrze
• Nicht jede MS-Erkrankung führt zu einem Rollstuhl. Viele Betroffene bleiben auch langfristig ohne Rollstuhl mobil.
• Fatigue, Spastiken und Gleichgewichtsstörungen gehören zu den häufigsten Gründen für einen MS-Rollstuhl.
• Ein passender Rollstuhl sollte individuell auf Deine MS-Symptome und den persönlichen Alltag abgestimmt sein.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Das Immunsystem (genauer: fehlgeleitete Immmunzellen) der Betroffenen greift dabei die Isolierschicht der Nervenfasern (Myelin) an. Dies führt zu Entzündungen und vernarbten Gewebestellen (Sklerosen) im Körper. Die Folge ist, das Signale zwischen dem Gehirn und dem restlichen Körper gestört oder verlangsamt weitergeleitet werden.

Aus Datenerhebungns geht hervor, dass das durchschnittliche Alter bei Erkrankungsbeginn bei ca. 33 Jahren liegt und dass mehr als 70 Prozent der Betroffenen weiblich sind (MS-Register).

Welche Symptome zeigt MS und wie ist der Verlauf?

Die Symptome von MS-Erkrankten variieren je nach betroffenem Gebiet des Nervensystems. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:

  • Mobilitätseinschränkungen
  • Fatigue (ausgeprägte körperliche und geistige Erschöpfung)
  • Blasenfunktionsstörung
  • Bewegungsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Spastiken
  • Sensibilitätsstörungen

Multiple Sklerose verläuft bei rund 70 Prozent der Betroffenen in Schüben (dmsg) – auf gute Phasen können schlechte folgen und umgekehrt. In der Regel treten die Symptome plötzlich auf, halten mehrere Tage oder Wochen an und verschwinden dann teilweise wieder vollständig. Es kann Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern, bis der nächste Schub folgt. Es gibt unterschiedliche Verläufe der Krankheit:

  • Schubförmig-remittierender Verlauf (RRMS): Die SchĂĽbe kehren in Abständen immer wieder.
  • Sekundär progedienter Verlauf (SPMS): Nach längerem schubförmigen Verlauf geht die Erkrankung bei den Betroffenen in einen fortschreitenden Verlauf ĂĽber. Die Symptome verschwinden nicht mehr vollständig und bilden sich unabhängig von SchĂĽben immer weiter.
  • Primär progedienter Verlauf (PPMS): Die Patienten haben von Beginn an einen fortschreitenden Verlauf, sodass die Symptome nicht mehr verschwinden. Dies betrifft nach Angaben der dmsg ca. 10 Prozent der Patienten und vor allem diejenigen, bei denen die Krankheit ab einem Alter von 40 Jahren auftritt.

Wie beeinträchtigt MS die Mobilität?

Die häufigsten Symptome bei MS-Erkrankten haben wir oben bereits aufgeführt. Nicht alle von ihnen beeinträchtigen direkt die Mobilität, andere, seltenere Symptome wiederum sehr stark. Besonders bei Schädigungen in den Regionen, die für Muskelsteuerung, Gleichgewicht und Koordination verantwortlich sind, treten Mobilitätseinschränkungen auf.

Dadurch können unterschiedliche Einschränkungen entstehen:

  • Muskelschwäche in Beinen oder Armen
  • Spastiken
  • Gangstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Tremor
  • Koordinationsprobleme
  • Sensibilitätsstörungen
  • Fatigue
  • Schwindel
  • Sehstörungen

Die Symptome werden häufig im Verlauf der Erkrankung stärker. Zunächst werden dann größere körperliche Belastungen zu einer großen Herausforderung. Später können schon leichte Aktivitäten wie Spaziergänge oder Hausarbeit sehr anstrengend bis unmöglich werden.

Gut zu wissen:
Wenn Du an Multipler Sklerose erkrankt bist, kann es sein, dass Du besonders empfindlich auf Wärme reagierst. DafĂĽr verantwortlich ist das sogenannte Uhthoff-Phänomen, das bereits Ende des 19. Jahrhunderts vom Augenarzt Wilhelm Uhthoff beschrieben wurde: Dabei fand man heraus, dass bei steigender Körpertemperatur die Nervenleitung schlechter ist. Die Folge sind häufig eine verstärkte Fatigue, mehr Muskelschwäche, Gleichgewichtsprobleme oder eine Zunahme bereits bestehender MS-Symptome.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen MS-Rollstuhl brauche?

Während man früher vor Einführung moderner Therapien noch von einer deutlich größeren Zahl an MS-Patienten im Rollstuhl ausging, zeigen heutige Analysen deutlich positivere Ergebnisse. Laut einer Auswertung aus dem MS-Register sind bei den MS-Erkrankten im Alter zwischen 31-40 Jahren insgesamt 5 Prozent auf einen manuellen oder elektrischen Rollstuhl (oder Scooter) angewiesen, bei den über 60-Jährigen sind es insgesamt 31,5 Prozent (MS-Register). Ein Großteil der Betroffenen kommt also auch im höheren Alter noch ohne einen Rollstuhl aus.

Ob Du einen MS-Rollstuhl benötigst, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Verlaufsform der MS
  • Häufigkeit und Schwere von SchĂĽben
  • Alter bei Erkrankungsbeginn
  • Beteiligung des RĂĽckenmarks
  • Ansprechen auf die Therapie
  • bestehende Begleiterkrankungen
  • allgemeiner Fitnesszustand
  • körperliche Aktivität und Rehabilitation

Bei ca. 80 Prozent der MS-Patienten liegt eine schubförmig-remittierende MS vor (MS-Register). Dabei wird zunächst in der Regel kein Rollstuhl benötigt, da die Symptome immer wieder abklingen. Entwickelt sich die Erkrankung im Verlauf zu einer sekundär progredienten MS, nehmen Gehstörungen, Gleichgewichtsprobleme und Muskelkraftverlust oft kontinuierlich zu, sodass später ein Rollstuhl erforderlich werden kann. Bei der selteneren primär progredienten MS verschlechtern sich die neurologischen Funktionen dagegen von Beginn an kontinuierlich und führen mitunter schnell zur Notwendigkeit eines Rollstuhls.

Die häufigsten Gründe für einen MS-Rollstuhl

Multiple Sklerose kann viele unterschiedliche Symptome hervorrufen, die wir oben bereits besprochen haben. Doch nicht alle Symptome führen dazu, dass Du langfristig einen Rollstuhl benötigst. Doch welche Symptome machen am häufigsten einen MS-Rollstuhl nötig?

Fatigue

Viele Betroffene beschreiben Fatigue als ein überwältigendes Gefühl körperlicher und geistiger Erschöpfung, das ihren gesamten Tagesablauf bestimmt. Im Gegensatz zur regulären Müdigkeit, die die meisten Menschen zum Beispiel nach zu wenig Schlaf kennen, verschwindet Fatigue nicht durch eine kurze Ruhephase. Viele Betroffene, die unter diesem Symptom leiden, sind in ihrem Alltag eingeschränkt, können Hausarbeit, Einkäufe oder Freizeitaktivitäten nur noch unter großer Anstrengung erledigen.

Um Kräfte zu sparen oder um überhaupt noch selbstständig den Alltag bestreiten zu können, nutzen Betroffene teilweise einen Rollstuhl. In diesem Fall ist ein Elektrorollstuhl empfehlenswert, da der händische Antrieb eines manuellen Rollstuhls eine körperliche Belastung bedeutet.

Viele Menschen mit MS nutzen ihren Rollstuhl situationsabhängig. Sie gehen weiterhin kurze Strecken selbstständig, verwenden den Rollstuhl jedoch für längere Wege oder besonders anstrengende Tage. Dies kann nicht nur die Selbstständigkeit erhalten, sondern auch die Lebensqualität deutlich verbessern.

Spastiken

Leiden Menschen mit MS unter Bewegungseinschränkungen, sind häufig Spastiken die Ursache dafür. Sie entstehen durch Schädigungen der Nervenbahnen, die normalerweise Muskelbewegungen steuern und regulieren. Dadurch kommt es zu einer dauerhaft erhöhten Muskelspannung. Für Betroffene fühlt sich dies häufig an, als würden die Muskeln permanent gegen jede Bewegung arbeiten.

Typische Symptome sind:

  • erschwerte Bewegungsabläufe
  • steife Beine
  • Muskelkrämpfe
  • unwillkĂĽrliche Bewegungen
  • Schmerzen

Spastiken führen häufig dazu, dass der Gang langsamer und unsicherer wird, auch die Schritte sind meist verkürzt. Auch das Sturzrisiko erhöht sich.

Sind die Spastiken ausgeprägt, kann es für die Betroffenen hilfreich oder sogar notwendig sein, einen Rollstuhl zu nutzen. Dieser ermöglicht eine Fortbewegung, wenn das Gehen schwerfällt, und senkt das Risiko für Stürze. Außerdem können durch ausgeprägte Spastiken Kontrakturen entstehen. Dabei verkürzen sich Muskeln und Sehnen dauerhaft, sodass Gelenke nicht mehr vollständig bewegt werden können.

Deshalb sind bei MS häufig spezielle Sitzsysteme sinnvoll:

  • Positionierungssysteme zur Haltungskorrektur
  • anatomisch geformte Sitzflächen
  • druckentlastende Sitzkissen
  • individuell anpassbare RĂĽckenlehnen
  • verstellbare FuĂźstĂĽtzen
  • Seitenpelotten zur Stabilisierung
FlixTipp:
Zu den individuell anpassbaren Rollstühlen zählt zum Beispiel der ergoflix® vario. Der elektrische Faltrollstuhl bietet mehr als 250 Einstellungsmöglichkeiten und kann damit direkt in Deinem Sanitätshaus optimal an Deine Körpermaße angepasst werden – für eine ergonomische Sitzposition. Die Einstellungsmöglichkeiten können Fehlbelastungen und Druckstellen reduzieren. Das Modell besitzt eine Hilfsmittelnummer und kann damit von der Krankenkasse bezuschusst werden.
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Tremor

Bei vielen an MS erkrankten Menschen tritt im Laufe der Erkrankung ein Tremor auf. Dabei handelt es sich um ein Muskelzittern. Häufig tritt dieses als Intentionstremor auf, also bei bestimmten Bewegungen, zum Beispiel beim:

  • Greifen nach einer Tasse
  • Schreiben
  • Bedienen eines Smartphones
  • Lenken eines Rollstuhls

Denkst Du darüber nach, Dir mit einem Tremor einen Elektrorollstuhl zuzulegen, solltest Du natürlich wissen, wie gut Du den Joystick bedienen kannst. Informiere Dich vor dem Kauf eines MS-Rollstuhls auf jeden Fall darüber, welche Anpassungsmöglichkeiten das Modell bietet. Häufig kann zum Beispiel die Empfindlichkeit des Joysticks eingestellt werden.

Gut zu wissen:
Die faltbaren Elektrorollstühle von ergoflix können alle individuell eingestellt werden. Mit einem speziellen Gerät kann das Fachpersonal die Fahreigenschaften des Rollstuhls (zum Beispiel die Anfahrtsgeschwindigkeit oder das Kurvenverhalten) individuell anpassen.

Je nach Ausprägung kommen auch adaptive Steuerungslösungen infrage:

  • ergonomisch geformte Joysticks
  • Handballenauflagen
  • SteuerbĂĽgel
  • Kinnsteuerungen
  • Kopfsteuerungen
  • alternative Bedienelemente

Mit diesen Lösungen kannst Du einen E-Rollstuhl auch dann sicher steuern, wenn Deine Feinmotorik eingeschränkt ist.

Gut zu wissen:
ergoflix bietet für seine Rollstühle unterschiedliche Joystick-Aufsätze an. Diese können bei der Steuerung unterstützen.
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Gleichgewichtsstörungen

Entzündungsherde im Kleinhirn oder in den entsprechenden Nervenbahnen können bei Menschen mit Multipler Sklerose dazu führen, dass die Verarbeitung von Gleichgewichtsinformationen gestört ist. Dies kann zu einem unsicheren Gang führen und Stürze begünstigen.

Typische Beschwerden sind:

  • Unsicherheit beim Gehen
  • Schwanken im Stand
  • Probleme beim Richtungswechsel
  • Schwierigkeiten beim Treppensteigen
  • SchwindelgefĂĽhl

Diese Symptome können dazu führen, dass die betroffenen Menschen sich zurückziehen, sicherheitshalber nur noch kleine Strecken zurücklegen und nur noch die nötigsten Dinge erledigen. Auf Dauer kann dies auch sozial zu einem hohen Leidensdruck führen.

Wie bei den bisher genannten Symptomen, kann auch bei Gleichgewichtsstörungen ein Rollstuhl Abhilfe schaffen. Du kannst Dich wieder sicher bewegen und Deinen Bewegungsradius vergrößern.

Welcher Rollstuhl eignet sich bei Multipler Sklerose?

Wenn Du ĂĽber den Kauf eines Rollstuhls nachdenkst, solltest Du stets Deine Erkrankung und die damit einhergehenden Symptome im Blick haben. Aufgrund des groĂźen Angebots an Rollstuhlmodellen solltest Du genau das passende fĂĽr Dich finden.

Manueller oder elektrischer Rollstuhl?

Ein manueller Rollstuhl eignet sich vor allem dann, wenn Du trotz der MS-Diagnose noch ausreichend Kraft in den Armen besitzt, um den Rollstuhl eigenständig anzutreiben.

Ein Elektrorollstuhl ist für viele Menschen mit Multipler Sklerose die bessere Wahl, da der Antrieb des Rollstuhls keine Kraft erfordert und somit den Körper schont. Teste jedoch vorab, vor allem wenn Du zum Beispiel einen Tremor hast, ob Du den Joystick des Rollstuhls bedienen kannst.

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FlixTipp:
Mit vielen Rollstühlen (auch Elektromodellen) kannst Du sogar Flugreisen unternehmen. Im Praxisratgeber von ergoflix erfährst Du, wie Du eine Flugreise mit Rollstuhl planst, welche Dokumente Du benötigst und an welche Checkliste Du Dich halten kannst.
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Welche Funktionen sind bei einem MS-Rollstuhl wichtig?

Wenn Du Dich für einen Rollstuhl entscheidest, lasse Dich vorher bei dem Anbieter oder in Deinem Sanitätshaus beraten, welche Funktionen und zusätzlichen Zubehöre das Modell bietet. So kannst Du sicherstellen, dass Du auch in Zukunft gut ausgestattet bist und Dein Rollstuhl Dich auch bei fortschreitender MS zuverlässig begleitet.

Verstellbare RĂĽckenlehne: Eine individuell anpassbare RĂĽckenlehne kann dabei helfen, Spastiken besser auszugleichen und Druckbelastungen zu reduzieren.

Sitzkissen: Druckentlastende Sitzkissen unterstĂĽtzen eine stabile Sitzhaltung und beugen Druckstellen vor.

Materialzusammensetzung: Da sich Deine MS-Symptome bei Wärme verschlechtern können (Uhthoff-Phänomen), solltest Du auf amtungsaktive oder sogar kühlende Bezüge achten. Diese können dazu beitragen, Wärmestau zu reduzieren.

Joystick-Anpassung: Besonders bei Tremor oder Koordinationsstörungen ist eine fein justierbare Steuerung entscheidend. Dies kann durch technische Einstellungen und auch spezielle Joystick-Aufsätze gewährleistet werden.

Wendigkeit: Ein kleiner Wendekreis erleichtert die Nutzung des Rollstuhls im Alltag, insbesondere in Wohnungen oder Geschäften.

Reichweite: Je aktiver Dein Alltag ist, desto wichtiger ist bei einem Elektrorollstuhl eine ausreichende Akkureichweite.

Transportfähigkeit: Für viele Menschen mit MS spielen Reisen, Arztbesuche und Familienausflüge eine wichtige Rolle. Faltbare oder leicht transportierbare Modelle können deshalb erhebliche Vorteile bieten. Dank Zubehörteilen wie zum Beispiel Teleskoprampen kannst Du manche Rollstühle auch mit nur geringem Kraftaufwand verladen.

MS-Rollstuhl bei der Krankenkasse beantragen

Die gute Nachricht ist: Sofern eine medizinische Notwendigkeit vorliegt, können Rollstühle (auch elektrische Modelle) von der Krankenkasse bezuschusst oder komplett übernommen werden. Wenn Du aufgrund Deiner Multiplen Sklerose einen Rollstuhl beantragen möchtest, befolge einfach unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Ärztliche Verordnung

Suche Deinen Arzt auf und beschreibe Dein Anliegen. Mit einer MS-Diagnose ist dies in der Regel Dein Neurologe. Du wirst eingehend untersucht, unter anderem hinsichtlich Deiner:

  • Gehfähigkeit
  • Muskelkraft
  • Spastiken
  • Fatigue
  • Gleichgewicht
  • Sturzrisiko

Dabei wird geprüft, wie stark Deine Mobilität im Alltag eingeschränkt ist. Wichtige Fragen sind:

  • Welche Strecken können noch bewältigt werden?
  • Besteht eine Sturzgefährdung?
  • Werden Einkäufe oder Arztbesuche erschwert?
  • Liegt eine ausgeprägte Fatigue vor?

Je genauer die Einschränkungen beschrieben werden, desto besser lässt sich der Versorgungsbedarf begründ

Im Anschluss besprichst Du mit Deinem Arzt, welcher Rollstuhl für Dich infrage kommt. Dieser schreibt in einer Verordnung (ähnlich Rezept) genau auf, wieso Du einen Rollstuhl benötigst, inklusive dem medizinischen Code für Multiple Sklerose (ICD-Code G35). Wenn Du einen Elektrorollstuhl erhalten möchtest, sollte in der Verordnung vor allem ersichtlich werden, weshalb ein manueller Rollstuhl nicht infrage kommt.

Gut zu wissen:
FĂĽr die Genehmigung eines Hilfsmittels bei Deiner Krankenkasse ist es hilfreich, wenn dieses eine Hilfsmittelnummer besitzt und damit im GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist. Darin sind alle Produkte aufgefĂĽhrt, die von den gesetzlichen Krankenkassen auf Basis der Hilfsmittel-Richtlinie erstattet werden können. Das Hilfsmittelverzeichnis der GKV gilt als Orientierung fĂĽr Versicherte, Leistungserbringer, Vertragsärztinnen und Vertragsärzte sowie Krankenkassen. 
Was ist das GKV-Hilfsmittelverzeichnis?

Aufsuchen eines Sanitätshauses & Kostenvoranschlag

Anschließend suchst Du ein Sanitätshaus in Deiner Nähe auf oder wendest Dich an einen entsprechenden Fachhänder, um Deine Bedürfnisse zu schildern. Mithilfe einer Beratung sowie einer Probefahrt findest Du das optimale Hilfsmittel. Im Anschluss erhältst Du einen Kostenvoranschlag für Deinen gewählten Rollstuhl.

Antrag einreichen

Den Kostenvoranschlag und die Verordnung schickst Du bzw. in den meisten Fällen das Sanitätshaus an Deine Krankenkasse. Diese prüft den Hilfsmittelantrag und meldet sich anschließend mit einer Genehmigung oder Ablehnung zurück.

Wird Dein Antrag genehmigt, kannst Du Deine Mobilitätshilfe schon bald von Deinem Fachhändler in Empfang nehmen. Vor Ort werden auch direkt alle Einstellungen des Rollstuhls übernommen, sodass Du den bestmöglichen Komfort hast.

Sollte Dein Antrag abgelehnt werden, bedeutet das nicht automatisch das Ende der Rollstuhlbeschaffung. Du kannst Widerspruch einlegen. Dabei ist es vor allem wichtig, dass Du die Frist einhältst. In der Regel kannst Du innerhalb eines Monats nach Erhalt des Ablehnungsbescheids schriftlich Widerspruch einlegen. So funktioniert es:

  • Reiche den Widerspruch schriftlich â€“ per Post oder digital – ein. Lasse Dir den Eingang bestätigen.
  • PrĂĽfe Deinen Bescheid und den Grund der Ablehnung.
  • Bereite eine BegrĂĽndung des Widerspruchs vor und bitte Deinen Arzt um eine ergänzende medizinische Stellungnahme, in der die Notwendigkeit des Hilfsmittels erläutert wird.
FlixTipp:
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. bietet eine MS-Helpline an. Darüber können Sie telefonisch Experten erreichen, die Ihnen bei Fragen rund um Multiple Sklerose weiterhelfen können. Die Telefonnummer lautet 0800-5252022.
Zur Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Fazit

Multiple Sklerose bedeutet nicht automatisch, dass Du auf einen Rollstuhl angeiwesen bist: Laut MS-Register sind zwischen 31 und 40 Jahren etwa 5 Prozent der Betroffenen auf einen manuellen oder elektrischen Rollstuhl beziehungsweise Scooter angewiesen, bei den über 60-Jährigen sind es rund 31,5 Prozent. Besonders Symptome wie Fatigue, Spastiken, Tremor oder Gleichgewichtsstörungen können jedoch die Mobilität erheblich einschränken und einen Rollstuhl sinnvoll machen. Wichtig ist dabei, dass der Rollstuhl auf Deine individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist – etwa durch ergonomische Sitzsysteme, anpassbare Steuerungen oder atmungsaktive Materialien bei Wärmeempfindlichkeit. So kann ein passendes Hilfsmittel dazu beitragen, dass Du Deine Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange erhalten kannst.

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